Sie kommen im Morgengrauen

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

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Jörg Meier

Nein, leben können sie nicht davon. Aber es ist immerhin ein Nebenverdienst. Wer es tut, muss einiges auf sich nehmen: früh aufstehen, und das jeden Tag; bei Wind und Wetter unterwegs sein; wer es tut, darf keinen Fehler machen, muss leise sein und zuverlässig und akzeptieren, dass seine Kunden sich nicht für ihn interessieren, solange er nicht auffällt.

Dann allerdings können sie sehr heftig werden: wenn der Motor zu laut war, wenn er die Tür geschletzt hat – oder das Allerschlimmste: wenn die Zeitung nicht pünktlich im Briefkasten liegt.

Die Bedeutung der Zeitungsverträger für die Psyche der Aargauerinnen und Aargauer kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Jeder von uns kennt das Ritual: Noch vor dem Frühstück holt man sich die Zeitung aus dem Briefkasten. Das hat etwas Tröstliches und auch Beruhigendes; die Welt draussen gibt es noch und man hat mich nicht vergessen. Und man steigt voller Elan in den Tag.

Wehe aber, wenn die Zeitung einmal nicht da ist. Das irritiert, löst oft Wut aus und Ärger, führt zu erbosten Telefonaten und macht den Start in den Tag schwierig.

Über 1300 Verträgerinnen und Verträger sind täglich für diese Zeitung unterwegs. Sie sind wichtig. Mindestens so wichtig wie die Redaktoren und Journalisten. Denn alle klugen und bedeutenden Texte nützen nichts, wenn sie nicht zu den Lesern kommen. Abgesehen davon weiss man inzwischen, dass die wichtigste Forderung der Leser an die Zeitung eine ganz simple ist: Die Zeitung soll pünktlich im Briefkasten sein. Inhaltliche Ansprüche kommen erst später.

Erstaunlich nur, dass kaum ein Abonnent seinen Verträger kennt. Oder ist es eine Verträgerin?
joerg.meier@azag.ch