Sie helfen bei jedem Wetter

Der Sägemehlclub Biberist ist für ein Berghilfe-Projekt im tatkräftigen Einsatz. Nach der Sanierung des Wohnhauses sollen nun auch Stall und Scheune der Bauernfamilie Reber auf der 860 Meter hoch gelegenen Schwand in Rüschegg-Heubach erneuert und vergrössert werden. Seit Januar legt der Biberister Sägemehlclub für die Vorarbeiten Hand an.

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Die Männer sind bei jedem Wetter voller Tatendrang.

Die Männer sind bei jedem Wetter voller Tatendrang.

Solothurner Zeitung

Agnes Portmann-Leupi

«Kommt zuerst zum Kaffee», lädt die Bäuerin Rosmarie Reber die acht Ankömmlinge des Sägemehlclubs in die Wohnstube ein. Auf dem langen Tisch verlocken Kaffee und Kuchen zum Platz- nehmen. Nicht ohne Stolz erzählen die Biberister Männer, dass sie vor zwei Jahren ihren Teil zu diesem gemütlichen Raum beigetragen haben. Damals höhlten sie Parterre und Keller des heruntergekommenen Holzhauses aus und bereiteten alles vor für die Facharbeiten. Sie befreiten den Keller von Erde und Steinen und ebneten die schräge Einfahrt. Nicht nur die Vorratsregale und Mäusegitter im Keller sowie die lang gezogene Laube im ersten Stock sind das Werk der Männer, sondern auch der «schönste Hühnerhof» im ganzen «Bernbiet». Durch die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft SAB, die sich für die Interessen der Berggebiete einsetzt, ist der Sägemehlclub auf die Bauernfamilie gestossen.

Holz aus dem eigenen Wald

Von den Gipfeln des Gantrisch-Gurnigel-Gebietes ist an diesem Einsatztag auf der Schwand nichts zu sehen. Neblig ist es, und es schneit. Umso heller aber leuchten die Gesichter der Männer. Bauer Peter Reber übernimmt das Zepter für die Arbeiten für den Stall- und Scheunenneubau, schliesslich sollte bereits das erste Heu auf die neue 80 Quadratmeter grosse Heubühne eingefahren werden können. Für deren Belüftung sägen und verschrauben vier Männer die Holzroste. Ob der kreischenden Säge und des stiebenden Holzes wird klar, warum der Club ausgerechnet «Sägemehl» heisst. Der Bauer selber und drei Männer entfernen mit Motorsäge, Keilen und Äxten die riesigen Baumstrünke neben der Einfahrt und machen so Platz für den Neubau. Ebenfalls räumen sie die Überreste des Holzschlages weg. 30 Bäume, rund die Hälfte des benötigten Holzes, fällte nämlich der 36-jährige Bauer selber. Ein Helfer macht sich derweil fachmännisch ans Zurückschneiden der rund 20 Zwetschgen-, Birnen-, Kirschen- und Apfelbäume.

Die Rinder und Schafe sind bereits aus dem alten Stall ausgezogen. Die 18 Kühe – Simmentaler mit wunderschön geformten Hörnern – zügeln Ende März in den Schopf nebenan. Dann bereitet der Sägemehlclub alles für den Abriss vor. Sein Einsatz vom Januar bis März wird schliesslich rund 500 Stunden betragen.

«Wie ein Sechser im Lotto»

«Die Hilfe des Sägemehlclubs ist wie ein Sechser im Lotto. Es ist eine Supersache, sie kommen bei jedem Wetter», beschreibt die Bäuerin die motivierten Männer. «Ohne diese Unterstützung wäre es uns finanziell nicht möglich, die dringend notwendige Sanierung zu realisieren», ergänzt sie und bereitet Curry-Geschnetzeltes fürs Mittagessen vor. Ehrensache ist nämlich, dass sie die Männer mit Kaffee und Kuchen, einem einfachen Mittagessen und einem Zvieri verwöhnt. Vor drei Jahren zügelten Rosmarie und Peter Reber mit ihren beiden vierzehn- und zwölfjährigen Kindern Christa und Adrian auf die Schwand. Zehn Jahre bewirtschafteten sie vorher einen Pachtbetrieb im bernischen Uebeschi. Der Traum von etwas Eigenem war aber immer gegenwärtig, zumal es für den Sohn bereits klar ist, Bergbauer zu werden.

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