«Sie haben meine Hündin getötet»

Die Behörden schläfern eine Hündin mit Tollwutverdacht ein, ohne dass deren Besitzerin Abschied nehmen kann. Am nächsten Tag zeigt sich: Die Diagnose war falsch.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Birgit Günter

«Ich habe so gekämpft für dieses Tier. Und dann war alles umsonst.» Die Stimme der Aescherin Christiane Stark wird immer noch ganz brüchig, wenn sie an ihre aus Marokko importierte Hündin Shari und deren Geschichte zurückdenkt. Tragischer Höhepunkt war jener Abend, als die stellvertretende Kantonstierärztin Anna Jaggi die Aescherin angerufen hatte, um ihr mitzuteilen, dass die entlaufene Hündin gefunden worden war - dass man sie aber wegen Verdachts auf Tollwut einschläfern müsse. «Ich habe sie angefleht zu warten und ihr Sharis Krankengeschichte erzählt. Umsonst», erzählt Stark. Sie sieht ihre Hündin nie wieder.

Am nächsten Tag dann das Telefon: Es sei doch keine Tollwut gewesen. «Doch kein Wort der Entschuldigung», kritisiert Stark. «Im Gegenteil: Die Amtstierärztin sagte, sie hoffe, der Fall sei eine Lehre für mich gewesen.»

Die Geschichte, die so traurig endet, beginnt im Herbst 2008 in den Ferien in Marokko. Stark und ihr Lebenspartner sehen am Strand einen Welpen und wollen ihn adoptieren. Bei einem Tierarzt vor Ort lassen sie ihn impfen, chippen und entwurmen. «Ich habe gemeint, damit alles Notwendige für die Einfuhr getan zu haben», erklärt Stark.

Doch beim Zwischenstopp in Stuttgart zeigt sich: Dem ist nicht so. Die Behörden beschlagnahmen das Tier und bringen es in ein Tierheim zur Quarantäne. In dieser Zeit bekommt Shari starke Zuckungen, was auf eine Infektion zurückgeführt wird, die mit Antibiotika behandelt wird. Nach vier Monaten darf die Aescherin ihre Hündin in die Schweiz einführen - mit der Auflage, sie noch weitere zwei Monate in Heimquarantäne zu halten.

Eines Tages aber entwischt Shari durch die offen gelassene Gartentür. Die Hündin wird gefunden und landet wegen ihrer Zuckungen bei der Amtstierärztin. Mit dem bekannten Ausgang: Als die Tierärztin erfährt, dass Shari aus Marokko kommt, schläfert sie die Hündin ein. «Es interessierte sie nicht, dass es Laborbefunde gab, die das Zucken erklärten», so Stark. Für die Aescherin steht fest: «Die Behörden haben meine Hündin getötet.»

Der Fall wirft einige Fragen auf: Darf eine Tierärztin gegen den Willen der Besitzerin handeln? Warum musste es so schnell gehen? Und: Was lief grundsätzlich falsch im Fall Shari? Die stellvertretende Kantonstierärztin selbst will jedoch keine Stellung nehmen und verweist an ihren Vorgesetzten, Kantonstierarzt Ignaz Bloch. Dieser war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Weiterhelfen kann jedoch Marcel Falk, Sprecher des Bundesamtes für Veterinärwesen (Bvet). «Normalerweise braucht es bei Einschläferungen die Einwilligung des Besitzers», sagt er. «Aber bei dringendem Tollwutverdacht können die Behörden - also die Kantonstierärzte - dies auch eigenmächtig anordnen.»

Rechtlich sei der Amtstierärztin also kaum etwas vorzuwerfen - auch wenn sich später gezeigt hat, dass die Diagnose falsch war. «Leider kann man eine Tollwutinfektion nur beim toten Tier sicher feststellen», erklärt Falk. Ein lebendes Tier hingegen könne infiziert sein, aber gesund wirken - von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit kann es bis zu sechs Monaten dauern. Darum verhängten die Behördern auch die Quarantäne-Zeit.

Offen bleibt, warum die Tierärztin den Fall nicht weiter abgeklärt hat und nicht etwas mehr Feingefühl walten liess im Umgang mit der Hundebesitzerin. Um solche Schicksalsschläge und Enttäuschungen zu vermeiden, rät Falk grundsätzlich davon ab, Tiere aus den Ferien mit nach Hause zu nehmen. «Das ist gut gemeint, aber endet meist sehr schlecht», betont er.