Nigerianerin
Sie ging mit dem Messer auf ihn los

Die angeklagte Nigerianerin hatte einen 40 Jahre älteren Schweizer geheiratet, weil sie hoffte, er würde gut für sie sorgen. Nun stand sie wegen einer Messerattacke gegen ihn vor dem Bezirksgericht Lenzburg.

Drucken
Teilen

Irena Jurinak

Geheiratet haben sie natürlich aus Liebe. Das sagten sowohl die Angeklagte als auch ihr als Zeuge vorgeladener Ehemann vor Bezirksgericht Lenzburg aus. Die angeklagte Nigerianerin musste sich am Donnerstag allerdings nicht nur wegen einer Messerattacke gegen ihren Mann verantworten, sondern auch wegen Drogendelikten.

Kennen gelernt hatte die 23-jährige Josephine* den 66-jährigen Hans* in den Ferien in der Schweiz. Er habe ihr versprochen, dass sie ihr Wirtschaftsstudium hier fortsetzen könnte. «In Nigeria gibt es viele ältere weisse Männer, die gut für ihre Frauen sorgen», erzählte Josephine dem Gerichtspräsidenten Daniel Aeschbach unter Tränen.

Im Juli 2006 heiratete das Liebespaar. Doch schon nach drei Monaten habe es Streit gegeben und Hans reichte die Scheidung ein. Er sagte aus, sie hätten sich gestritten, weil Josephine seinen Geburtstag nicht mit ihm feiern wollte. Josephine sagte aus, es sei zum Streit gekommen, weil er plötzlich behauptet habe, gar kein Geld für ihr Studium zu haben. Vielleicht steckte der Teufel auch in der Sprache: Hans spricht kein Englisch, Josephine nur schlecht deutsch. Geschieden sind die beiden bis heute nicht. Ein Jahr nach der Liebeshochzeit unterschrieben sie jedoch eine Trennungsvereinbarung.

Tatwaffe im Brocki verkauft

Einen Monat nach der Trennung sei die Angeklagte mit einem Messer auf Hans losgegangen. Das erzählte dieser zumindest, als er bei der Polizei eine Anzeige einreichte. Josephine habe in seiner Brockenstube versucht, eine Schreibtischschublade mit Dokumenten aufzubrechen. Als er sie daran gehindert habe, habe sie ein Messer ergriffen und in seine Richtung zugestochen. Weil er habe ausweichen können, sei er unverletzt geblieben.

Dagegen führte die Pflichtverteidigerin von Josephine in ihrem Plädoyer aus, Hans habe die Messerattacke erfunden. Seine Aussagen widersprächen sich nicht nur, er habe sie auch ausgeschmückt: «Wie in einem Krimi.» Zudem mute es merkwürdig an, dass er die Tatwaffe der Polizei nicht aushändigen konnte, weil er diese in der Zwischenzeit in seinem Brocki verkauft habe. Hans sei verärgert gewesen, weil er seiner Frau gemäss Vereinbarung sechs Monate lang 300 Franken Unterhalt habe zahlen müssen.

Dem Gericht erschienen die Aussagen des Ehemannes glaubwürdiger, weshalb es die Angeklagte der versuchten einfachen Körperverletzung für schuldig befand. Josephine wurde zu 22 Monaten Gefängnis, davon die Hälfte bedingt, verurteilt. Die Strafe fiel so hoch aus, weil Josephine sich auch der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gemacht hatte.

Für eine Freundin transportierte sie 200 Gramm Kokain von Bern nach Niederlenz. Als sie zwei Wochen später nochmals 100 Gramm Kokain ausliefern wollte, wurde sie von der Polizei verhaftet. Unter Tränen versicherte sie dem Gericht, es sei das erste Mal gewesen, dass sie mit Drogen in Kontakt gekommen sei. Ausserdem habe sie es doch nur getan, um Geld für einen Scheidungsanwalt zu haben.

*Namen geändert

Aktuelle Nachrichten