Jugendfest
«Sie geben nicht zu, dass sie nervös sind»

Frisieren, Marschieren und Warten: Unterwegs mit den Zwillingen Franziska und Patricia am Brugger Jugendfest.

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Jugenfest Brugg
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Knaben am Umzug Die Buben sind mit ihren Haselruten ebenfalls ein Blickfang.
Frisieren Frisieren: Mit Mutter Rosmarie (links) und Barbara Ferraro machen sich die Zwillinge Franziska (links) und Patricia fürs Jugendfest bereit.

Jugenfest Brugg

Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

Morgens um halb acht in Brugg: Die Zwillinge Patricia und Franziska Lang sitzen ganz in Weiss am Wohnzimmertisch. Jetzt müssen die Kinder der Besitzer des Hotels Terminus nur noch frisiert werden. Mutter Rosmarie (51) und Hotelangestellte Barbara Ferraro (44) flechten Zöpfe ins Haar. «Autsch, nicht so ziehen», sagt Patricia. Ihre Mutter gibt das Frisieren auf und sagt lachend: «Ich glaube, bei Barbara halten sie besser hin. Von der Mutter lassen sie sich nicht mehr so viel sagen.» Barbara Ferraro indessen ist ganz in ihrem Element: «Sie haben so schöne Haare.»

«Sie sind so verschieden»

Diese Haare allerdings haben heute Morgen für Diskussionen gesorgt. «Ich hätte den beiden so gerne eine Hochsteckfrisur gemacht. Aber sie mögen es lieber offen», sagt Rosmarie Lang. Dafür mussten die Mädchen die Stirnfransen für das Fest kürzen: «Das passt besser zum Blumenkranz», sagt Rosmarie Lang und Franziska seufzt «Der juckt sowieso.» Auch beim Thema Schuhe konnte sich ihre Mutter durchsetzen: Obwohl Franziska am liebsten bunte Turnschuhe tragen würde, muss sie an diesem Morgen ihre weissen Sandalen nehmen. Fixfertig angezogen stehen die Fünfklässlerinnen jetzt nebeneinander; Mutter Rosmarie holt ihre Kamera: «Das mache ich jedes Jahr. Fürs Album.»

Bei diesem Zwillingspaar besteht keine Verwechslungsgefahr. So ist Franziska etwa zehn Zentimeter kleiner als ihre Schwester. «Sie sind so verschieden. Für mich sind sie wie Schwestern, die zufälligerweise am gleichen Tag Geburtstag haben.» Trotzdem bräuchten die Mädchen einander: «Sie sind meistens im Doppelpack unterwegs und haben ähnliche Interessen.» Franziska und Patricia wollen jetzt vor allem eines: Raus. «Noch zehn Minuten», sagt ihre Mutter: «Sie sind nervös. Das würden sie aber nie zugeben.»

Jugendfestschatz?

Gefühlte 60 Minuten später gehen die beiden Mädchen Richtung Kirchplatz - ohne ihre Mutter. Von überall her kommen sie aus den Häusern; die weiss gekleideten Mädchen und Buben. Unterwegs treffen Franziska und Patricia auch ihre Klassenkameradinnen. Es wird über Blumenkränze, Haarschmuck und Frisuren geredet. Der Frisurentrend bei den Fünftklässlerinnen ist klar: Lang und offen: «Hochstecken müssen wir die Haare schon im Ballett», meint Patricia.

Bei den Kleidern gibt es aber Unterschiede. Während die Zwillinge und ihre Freundinnen vor allem Jupes oder Kleider tragen, kommen andere Fünftklässlerinnen mit weissen Leggins oder Glitzertops daher. Ein Mädchen trägt sogar einen Totenkopfgurt. Für grosses Aufsehen sorgt aber der Klassenlehrer Daniel Notter. Die Schülerinnen staunen und kichern: «Mister Notter in Anzug und Krawatte. So schick ist er sonst nie», heisst es. Dieser nimmt es gelassen, obwohl: «Ich bin ganz aufgeregt. Die Nervosität ist halt ansteckend.» Franziskas und Patricias Klasse stehen inzwischen vor der Kirche. Unzählige Schülerinnen und Schüler wuseln hin und her. Die Buben schlagen die Mädchen mit ihren Ruten auf den Kopf. «Hee, hört auf», sagt Patricia bestimmt: «Letztes Jahr haben sie das während des Umzugs gemacht.»

Hatten die beiden schon mal einen Jugendfestschatz? Die Zwillinge kichern und schütteln den Kopf: «Nein, das interessiert uns nicht so.» Dafür stossen die Bahnen des Lunaparks auf Interesse. «Das ist das Beste am Jugendfest», sagt Franziska.

Langeweile und Wehmut

Trompetenklänge, Glockenschläge: Der Umzug kann losgehen. Lehrer Notter reiht die Mädchen und Buben ein. Franziska und Patricia marschieren ganz vorne mit, während die Buben mit ihren grossen Haselruten das Schlusslicht bilden. Langsam setzt sich die Schülermasse in Bewegung. Die Kinder gehen strahlend durch das Städtchen, die Mamis und Papis stehen am Strassenrand und halten die weisse Pracht mit der Kamera fest. Auch Albert und Rosmarie Lang winken ihren Zwillingen zu: «Sie machen das gut. Wir sind stolz auf sie», sagt Rosmarie Lang.

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