Samuel Schumacher

Die Bäuerinnen- und Landfrauen-Vereinigung (BLV) des Bezirks Muri zählt rund 770 Mitglieder. In regelmässigen Abständen treffen sich die Landfrauen für Weiterbildungskurse, Exkursionen oder gesellschaftliche Anlässe. In den meisten Dörfern im Bezirk gibt es eine Ortsvertreterin des BLV, die als Ansprechperson für die lokalen Landfrauen dient.

Dem eigenen Rhythmus folgen

Aufgrund ihres Berufes als Bäuerinnen und Hausfrauen und wegen ihrer Traditionsverbundenheit leben die Landfrauen für viele Aussenstehende in einer «fremden Welt», wie BLV-Vorstandsmitglied Bernadette Barmettler-Balmer erklärt. «Gerade für Menschen aus städtischen Gebieten ist es offenbar schwierig nachzuvollziehen, weshalb wir nicht immer auf Draht sein können und unserem eigenen Rhythmus folgen.»

Dabei gehe oft vergessen, wie arbeitsintensiv das multifunktionelle Leben als Bäuerin, Haushälterin und Mutter sei. Daneben engagieren sich die Oberfreiämter Landfrauen regelmässig als freiwillige Helferinnen bei gesellschaftlichen Anlässen.

Karrierefrauen überfordert

Was den Oberfreiämter Landfrauen allen gemein zu sein scheint, ist das klassische Verständnis der Geschlechterrollen. «Ich glaube, dass viele der so genannten Karrierefrauen, die nebenbei auch noch einen Haushalt schmeissen und ihre Kinder betreuen sollten, mit ihrer Situation in Wahrheit überfordert sind», so Bernadette Barmettler-Balmer. «Die Position der Frau als wertvermittelnde Mutter, die zu Hause ihre Kinder erzieht, darf nicht unterschätzt werden.» Der «Auslagerung der Erziehung» in Kinderkrippen stehen die Landfrauen im Allgemeinen kritisch gegenüber. Solange die Kinder professionell betreut würden und ihre Mütter dadurch entspannter ihrem Job nachgehen könnten, habe das Kinderkrippen-System aber durchaus auch etwas Positives, meint Bäuerin Helena Rüttimann. «Ich bin aber klar der Meinung, dass jene Mütter, die auf eine Karriere verzichten, um ihre Kinder zu erziehen, staatlich vermehrt unterstützt werden sollten.» Auch eine einkommensabhängige Abgabe für jene, die ihre Kinder tagsüber in Krippen schickten, hielte Helena Rüttimann für angebracht.

«Wieso soll mein Mann kochen?»

Problematisch ist in den Augen der Landfrauen auch die stiefmütterliche Behandlung des Hauswirtschaftsunterrichts im Schulsystem. Eine kompetente Ausbildung der jungen Leute in diesem wichtigen Bereich sei mit dem aktuellen System, das nur ein Jahr Hauswirtschaftsunterricht vorsieht, nicht mehr garantiert. «In unserer zunehmend übergewichtigen Gesellschaft muss sich das Ernährungsbewusstsein verbessern. Das zeigt das Beispiel USA», meint Landfrau Margrit Rüttimann. Einen Grund, die eigenen Männer vermehrt an den Herd zu bitten, ist das für viele Landfrauen aber nicht. Bäuerin Helen Müller etwa versteht, dass ihr Mann in der Küche nicht regelmässig mit anpackt. «Mein Mann hat auf dem Hof alle Hände voll zu tun. Wie soll er da nebenbei noch kochen?» Etwas anders sieht das Helena Rüttimann. «Ich habe meinen Mann in einen Kochkurs geschickt. Seine Wertschätzung für meine Arbeit im Haushalt hat sich dadurch spürbar erhöht.»