Uitikon

Sich der Verantwortung stellen

Das Massnahmezentrum für junge Strafgefangene in Uitikon lud zum Infotag

Massnahmezentrum

Das Massnahmezentrum für junge Strafgefangene in Uitikon lud zum Infotag

Informieren, erleben und entdecken: Unter diesem Motto öffnete das Uitiker Massnahmezentrum Tür und Tor ihrer zehn Ausbildungsbetriebe für straffällige Jugendliche.

Christian Murer

Es ist zwölf Uhr Mittag - ein angenehmer Frühlingstag. Vor dem und im Gästezelt beim Massnahmezentrum in Uitikon (MZU), wo Kulinarisches geboten wird, herrscht Grossandrang. Tatsächlich ist das Interesse der Bevölkerung am Gefängnis für Jugendliche und junge Erwachsene gross. Dieses lud zu einem Infotag, der eine gute Gelegenheit war, zu erleben, was das MZU für junge Gefangene bedeutet.

Neue Zeiten schaffen neue Bedürfnisse, und deshalb ist die Leitung des Massnahmezentrums mit einigen Bauvorhaben beschäftigt. Aufgrund des neuen Jugendstrafrechts müssen Anpassungen vorgenommen werden. «Einen ersten Meilenstein mit der Renovation der offenen Abteilung haben wir jetzt abgeschlossen», sagt MZU-Direktor Michael Rubertus. «Die Räumlichkeiten sind jetzt viel zweckmässiger aufgeteilt.» Dies ermögliche, kleinere Klientelgruppen unter idealen Bedingungen zu betreuen. «Dies erleichtert für uns alle die Arbeit», betont Michael Rubertus, der dem MZU bereits acht Jahre vorsteht.

Justizdirektor Notter zu Besuch

Es ist 13 Uhr. Vor dem Infostand wartet Michael Rubertus auf Regierungsrat und Justizdirektor Markus Notter, der pünktlich eintrifft.
Beim zukünftigen zentralen Eingang stehen Dutzende von Interessierten, die alle die umgebaute Offene Abteilung mit 24 Plätzen besichtigen wollen. Auf drei Stockwerken sind in den letzten zwei Jahren zweckmässige Räume entstanden. Einfach sind die Zimmer, einladend die Aufenthaltsräume. Fitnessraum, Ping-Pong-Tische und Waschmaschinen sollen die jungen Männer aktivieren.
Äusserst karg präsentiert sich der unterste Stock. Dort erwartet Renitente nur das Allernötigste: Ein Betonbett mit gelber Schaumgummi-Matratze, ein metallener Tisch und Stuhl sowie Dusche, Trog und Toilette. «Ein Nullsternehotel», bemerkt ein Besucher scherzend.

Inzwischen ist es 14 Uhr geworden. Allenthalben schmeckt es nach gebratenen Würsten. Auf der Roller- und Rutschbahn vergnügen sich nach wie vor Kleinkinder.
Beim nahen Bauernbetrieb wird tüchtig die Plastikkuh gemolken. In den zehn Ausbildungsbetrieben des MZU sind handwerkliche und schöpferische Fähigkeiten gefragt. Dort herrscht nun reges Treiben. In der Gärtnerei präsentiert sich den Gästen der Frühling mit seiner vielfältigen und bunten Blumen- und Pflanzenpracht. In der Schreinerei entsteht in Kürze ein moderner Kerzenständer.

In der Malerwerkstatt spritzt Regierungsrat Markus Notter blaue und rote Farbe auf einen Karton.
Die Abklärungsabteilung verfügt über vier kleine Handwerksbetriebe, wo erfahrene Lehrmeister die angehenden Lehrlinge ausbilden. «Wir gestalten Neues und machen Altes wieder frisch», erklärt ein Auszubildender, «wir restaurieren Gartenstühle, Schränke, Holzroste für Terrassen und vieles anderes.»

Verantwortung übernehmen

Von der wichtigen Aufgabe seiner Institution am Rande der Gesellschaft ist Michael Rubertus überzeugt: «Ich bin stolz, mit wie viel Aufwand und Engagement die scheinbar bösen Buben hier im Einsatz sind.» Es zeige sich, dass die Aufgabe der MZU lohne. «Die jungen Männer stellen sich an einem solchen Tag wie heute mit allem, was sie getan haben, der Öffentlichkeit - ein paar wenige sogar mit ihrem Namensschildchen.» Dadurch zeigten sie sich bereit, für ihre Taten Verantwortung zu übernehmen.
Auch für seine Mitarbeitenden sei dieser Tag etwas Besonderes, so Michael Rubertus, da sie so einmal die Möglichkeit hätten, ihr Engagement einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen.

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