Palettenpapst
Showdown am Amthausplatz

Ab nächsten Montag steht der Deutsche Michael John und ein ehemaliger Solothurner Geschäftspartner vor Gericht. Sie versprachen den Teilhabern Millionengeschäfte mit chinesischen Plastikpaletten.

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Paletten

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Solothurner Zeitung

Andreas Toggweiler

John, der nach eigenen Angaben in Shanghai wohnt, will sich nächste Woche dem Richter in Solothurn stellen. Der «Fall Ppal» sorgte ab 2004 für Aufsehen. Zuerst einmal wegen der vollmundigen Aussagen Johns, der den Aktionären Traumrenditen und dem Kanton Steuereinnahmen «in Milliardenhöhe» versprach. Tatsächlich existierten laut Staatsanwaltschaft zwei Pilotmaschinen, «die jedoch lediglich eine vollständige Plastikpalette produziert haben». Am 16. Januar 2007 wurde über die Firma der Konkurs verhängt; insgesamt 57 Aktionäre verloren über 1,5 Mio. Franken.

Mehrere Wochen in U-Haft

Während die Staatsanwaltschaft Geschäftsmann John vorwirft, fast zwei Drittel der durch die Aktionäre investierten Gelder für persönliche Zwecke abgezweigt zu haben - unter anderem für teure Autos, - argumentiert John, dass gerade das

Strafverfahren, das aufgrund «ungewöhnlicher Geldtransaktionen» ins Ausland eröffnet wurde, seine Geschäftsidee zerstört habe. In der Tat sass John wegen Verdachts auf Betrug und Geldwäscherei mehrere Wochen in U-Haft. Diese Delikte konnten aber nicht erhärtet werden. Indes wird John und sein ehemaliger Kompagnon wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Konkursdelikten angeklagt. John muss sich zudem wegen unwahren Angaben über kaufmännisches Gewerbe verantworten. Laut Frank-Urs Müller, Amtsgerichtspräsident Solothurn Lebern, sind für den Prozess bis zu drei Tage veranschlagt. Als Staatsanwalt amtet Rolf von Felten.

Über seine Verteidigungsstrategie schweigt sich John aus, der sich im übrigen zuversichtlich und leutselig zeigt und auch gleich für ein Foto posiert. «Sie werden alles am ersten Prozesstag erfahren. Das wird sehr interessant werden», sagt John, der sich diese Woche mit seiner

Lebenspartnerin Isabelle Lehmann in Solothurn aufhielt. Bei früheren Gelegenheiten hatte er Schadenersatzklagen gegen den Kanton angekündigt. Nicht zu erfahren war auch, ob und in welchem Ausmass die Palettenproduktion in China inzwischen aufgenommen wurde.

Nur noch Briefkastenfirma

2007 wurde von ehemaligen PPal-Aktionären eine weitere Firma gegründet, welche sich dem Verkauf und Leasing von Johns Plastikpaletten widmen wollte: die PPP-Logistic in Zuchwil. Laut Verwaltungsrat Armin Buser ist die Firma aber seither nicht aktiv. Auch ist es nicht gelungen, die vorgesehene Kapitalerhöhung durchzuführen. Der Firmensitz wurde innerhalb von Zuchwil verlegt - in einen Briefkasten. «Die Firma ist zurzeit eine reine Domizilgesellschaft», erklärt Buser. Ob sie ihre Aktivitäten aufnehmen könne, hänge auch vom Verlauf des Prozesses gegen Micheal John ab.