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Sexspiele mit der Tochter

Ekelhaft: Kindsmissbrauch zerstört nicht nur Beziehungen, sondern ganze Leben. (MT)

Kind

Ekelhaft: Kindsmissbrauch zerstört nicht nur Beziehungen, sondern ganze Leben. (MT)

Hat der Vater, oder hat er nicht seine Tochter über viele Jahre hinweg zu Sexspielen gezwungen, sie vergewaltigt und fast zu Tode gewürgt? Gestern versuchte sein Verteidiger vor Obergericht, ihn von den Vorwürfen zu entlasten.

Patrick Furrer

«Das ist alles gelogen», behauptete der angeschuldigte Paul M.* gestern vor Gericht. Seine Frau, seine beiden Töchter und er hätten ein normales Familienleben geführt. Warum ihn dann seine inzwischen 28-jährige Tochter des sexuellen Missbrauchs, der Vergewaltigung und Lebensgefährdung bezichtigen sollte, blieb offen. Bereits als Kindergärtlerin soll sie ihn mit den Händen befriedigt haben müssen, später oral, und als sie geschlechtsreif wurde, habe er sie zum Sex gezwungen, teils unter Alkoholeinfluss. So «normal», wie es der Vater deklarierte, schien das Familienleben jedenfalls nicht.

Nicht zu erwarten war die Gelassenheit, die Paul M. vor Gericht an den Tag legte. Der 56-jährige gebürtige Deutsche liess sich selbst von Fragen nach seinen Alkoholproblemen nicht aus der Ruhe bringen. «Trinken Sie täglich?», fragte Oberrichter Daniel Kiefer. «Nicht unbedingt». Was das heisst? «Vielleicht abends zwei oder drei Bier, tagsüber aber nicht». In der Regel, wie sich zeigte: Als hätte er es gerochen, fragte Kiefer nach, ob M. vor der Verhandlung getrunken habe. «Ein Bier», so die Antwort. «Und Sie haben kein Alkoholproblem?» - «Nein.»

Opfer erschien «weniger souverän»

Der Alkohol schien das einzige zu sein, was Vater und Tochter gemein hatten. Die geschädigte Flora M.*, die schon mit 16 Jahren auf Druck des Vaters das Elternhaus verliess, war bereits mit 12 tief ins Alkohol- und Drogenloch gefallen. «Heroin, später auch Kokain» habe sie genommen, und sie habe noch immer psychische Probleme. Probleme, die ihr vor Gericht anzumerken waren, und wegen deren sie in Therapie gewesen war. Nervös wackelte sie bei der Befragung mit den Füssen. Zwar beschrieb sie, wann und wo die Vorfälle passiert seien - aber darüber, was im Detail geschehen war, schwieg sie. «Ich will mich nicht erinnern», sagte sie mit zittriger Stimme.

Vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt war Paul M. 2006 erstinstanzlich zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Er zog den Entscheid ans Obergericht weiter, wo sein Verteidiger nun den Freispruch und eine Entschädigung forderte. Er argumentierte damit, dass aktuelle Aussagen der Tochter den früheren widersprächen. Sie erscheine «weniger souverän». Und der Anwalt des Vaters zog auch ein neues Glaubhaftigkeitsgutachten herbei, das aussagte, dass die Geschichten der Tochter «nicht als wesentliche Grundlage für einen Strafprozess» empfohlen werden können. Ausser den Aussagen der Tochter gäbe es also keine Indizien für eine glaubhafte Schuld.

«Das kann man nicht erfinden»

Gleichzeitig sorgten die Tatschilderungen von Staatsanwalt Toni Blaser und der Opfervertreterin für eine schauerhafte Atmosphäre. Einmal habe der Vater sie sogar im Wald vergewaltigt, sonst zuhause, wenn die Mutter jobbte und er als Schichtarbeiter Feierabend hatte. Ebenso legte Blaser dar, dass frühere Aussagen der Tochter stets glaubhaft gewesen seien. Vielleicht habe sie resigniert, aber «solche Geschichten kann man nicht erfinden.» Flora M. hatte lange nicht über ihre Probleme geredet, galt als introvertiert. Drohungen, die Mutter zu verletzen und die kleinere Schwester auch zu missbrauchen, machten sie zur Gefangenen.

Das Gericht muss nun darüber entscheiden, ob es den Schuldspruch des Amtsgerichtes bestätigt, oder die Beweislast nicht genügt, um Paul M. die Freiheit zu nehmen. Ein solch krasser Fall sei nicht alltäglich, erklärte Oberrichter Marcel Kamber abschliessend. Einerseits habe man ein klares, erstinstanzliches Urteil, andererseits ein negatives Glaubhaftigkeitsgutachten. «Wir müssen nun sorgfältig abwägen, mit der nötigen Sorgfalt für die Betroffenen», so Kamber. Das Urteil wird voraussichtlich heute gefällt.

* Namen geändert

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