Frankreich
Seitensprung-Plakat löst einen Sturm der Entrüstung aus

Werbeplakate einer Online-Agentur zur Vermittlung ausserehelicher Affären haben in Frankreich für Ärger gesorgt – und sind daher im Grossraum Paris aus zahlreichen Bussen entfernt worden. Der Seitensprung-Vermittler prangerte daher eine «Zensur» an.

Stefan Trachsel/sda
Merken
Drucken
Teilen
Die Werbekampagne der Seitensprung-Agentur Gleeden.com.

Die Werbekampagne der Seitensprung-Agentur Gleeden.com.

HO
Seitensprung

Seitensprung

Keystone

«Wir verstehen diese übertriebenen Reaktionen nicht», sagte eine Sprecherin des betroffenen Unternehmens am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. «Die Werbekampagne hatte eine sehr neutrale Botschaft und war überhaupt nicht schockierend.»

Harmloser Inhalt

Tatsächlich zeigt das fragliche Plakat lediglich einen angebissenen Apfel, zusammen mit dem Slogan «Die erste von Frauen erdachte Website für aussereheliche Begegnungen». Ein angebissener Apfel gehört auch zum Logo der Online-Agentur.

Nach Unternehmensangaben wurden die Werbeplakate von der Rückseite von Bussen unter anderem in den Städten Poissy, Rambouillet, Saint-Germain, Versailles und Sèvres im Grossraum Paris entfernt.

Der Busbetreiber Keolis bestätigte AFP, die Plakate aus den Bussen in Versailles entfernt zu haben, «um auf die Erwartungen der Reisenden einzugehen». In nur einer Woche habe es 500 Beschwerden gegeben – normal seien etwa 900 in einem ganzen Jahr.

Katholiken empört

Die Gemeindeverwaltung von Versailles erklärte, die Werbung habe «einem Teil der Bevölkerung gewisse Probleme bereitet, insbesondere praktizierenden Katholiken, die sehr stark familiären Werten verbunden sind».

In Rambouillet schritt der konservative Bürgermeister Marc Robert höchstpersönlich zur Tat und forderte in einem Brief an das Verkehrsunternehmen Transdev, die Plakate zu entfernen. Die Werbung sei eine eindeutige Aufforderung, gegen das Bürgerliche Gesetzbuch zu verstossen, denn dort heisse es: «Die Eheleute schulden sich gegenseitig Respekt, Treue, Hilfe und Unterstützung.»

Als «Schritt zurück» kritisierte die Firmensprecherin das Entfernen der Werbeplakate. Untreue sei schon seit 1975 in Frankreich kein Straftatbestand mehr.