Benjamin Steger
Seine Computerspiele macht er selbst

Die Informatik ist ein Berufsfeld mit Zukunft – und nicht, wie das Klischee meint, die Domäne des asozialen Stubenhockers: Hier sind Kreativität und Freude an der Problemlösung gefordert.

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Benjamin Steger

Benjamin Steger

Aargauer Zeitung

Sarah Carter

«Ich habe schon früher gerne Sachen zerlegt», antwortet Benjamin Steger auf die Frage nach seiner Computerbegeisterung. Nein, hier spricht kein Vandale, der gern Dinge zerstört, sondern ein intelligenter, junger Informatiker aus Niederrohrdorf. Früher hat der Lehrling einer Informatikfirma Computer auseinandergeschraubt und Games gespielt.

Die Faszination für virtuelle Welten ist mittlerweile erwachsen geworden: In Eigenregie hat Steger schon mehrere kleine Computerspiele geschaffen. Er hatte Glück: «Meine Firma hat mir immer Zeit für eigene Projekte gelassen», erzählt Steger. Er ist zufrieden mit seiner Arbeitsstelle gewesen, wo man ihn gut unterstützt hat. «Es wird gerne gesehen, wenn jemand Eigeninitiative zeigt.»

Die Berufsmatur gemacht

Steger war vier Jahre Lehrling und hat eben seinen Abschluss mit Berufsmatura gemacht. Absolviert er danach, wie geplant, ein Passerellen-Jahr an der ETH, hat er ein Zeugnis, das der Eidgenössischen Matura gleichkommt. Die fernere Zukunft hat er sich noch nicht genau ausgemalt, kann sich ausser dem anschliessenden Informatikstudium noch nichts weiter vorstellen.

«Seit kurzem gibt es das Studium ‹Game Design› an der Hochschule für Gestaltung in Zürich, doch das ist nichts für mich», sagt er. Zu einseitig sei der Beruf, den man in der Schweiz kaum ausüben könne. Denn die grossen Spielentwickler befinden sich alle im Ausland. «Das Informatikstudium ermöglicht mir ein vielseitigeres und flexibles Tätigkeitsfeld», sagt der Niederrohrdorfer.

Ein paar Hindernisse musste Benjamin Steger schon aus dem Weg räumen, bevor er es überhaupt wagen konnte, von einem Hochschulstudium zu träumen. Als Sekundarschulabgänger bekam er in der Informatik vorerst keine Lehrstelle. Stattdessen absolvierte er ein zehntes Schuljahr in Aarau, wo man den Schülern viel Raum für freies Arbeiten liess. Steger konnte sich ausleben und erhielt dank guten Noten im folgenden Jahr endlich die erhoffte Lehrstelle.

Informatik ist in Verruf

«In der Firma eignet sich ein Lehrling etwa 90 Prozent seines Wissens an», sagt Steger. Deshalb sei eine gute Unterstützung so wichtig. «Viele Lehrlinge werden im Geschäft zu wenig gefördert und haben es schwer, nach der Lehre eine Stelle zu finden.»

Ob das ein Grund für den drohenden Nachwuchsmangel in der Informatik-Branche ist? «Nein, die Informatiker haben meiner Meinung nach einfach ein schlechtes Image: Man denkt schnell, die Informatiker seien nur dicke Leute mit Brille, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm kauern.»

Ihm wurde von der Informatikerlehre abgeraten, als er sich bewarb. Allerdings aus einem anderen Grund: «Damals gab es zu wenige Stellen.» Erstaunlich, wo heute ein Engpass in der Branche droht.

In der Informatik gibt es drei Bereiche: den Systementwickler, der Netzwerke unterhält, den Supporter, der die Computer repariert, und den Applikationsentwickler. Dieser ist für das Entwickeln von Software zuständig. «Ich hatte keine Ahnung vom Berufsfeld, als ich mit der Lehre begann», sagt Steger, der, genau genommen, eine Lehre als Applikationsentwickler gemacht hat. Seit dem dritten Lehrjahr arbeitete er in diesem Bereich erfolgreich an Kundenprojekten mit.

Verbot von Killerspielen?

Eine letzte Frage drängt sich auf: Wie steht Benjamin Steger zum Verbot von Killerspielen? «Ein absoluter Witz», ist die prompte Antwort. Die Spiele seien nicht einfach zu verbannen, weil sie im Internet weiterhin jeder finden könne. «Möglich, dass die blutigen Games labile Personen in selteneren Fällen zum Ausrasten bringen», sagt er.

Killerspiele seien aber nicht die Ursache von solchen Gewalttaten. Bei gefährdeten Menschen ist es laut Steger wichtiger, sie in der Schule und zu Hause zu unterstützen. Eine Altersbeschränkung ab 18 Jahren findet er sinnvoll: «Dass 13-jährige Kinder Zugriff auf brutale Spiele haben, ist nicht vernünftig.»

Auf Benjamin Stegers persönlicher Game-Topliste stehen eher Rollenspiele als Brutalo-Games: «Die Entwicklung der Heldenfigur im Verlauf einer Geschichte und die Taktiken, die man sich dabei überlegen muss, faszinieren mich», sagt er.

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