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Sein Volk ist sein grosses Thema

Andere Sprache: Sami Daher macht auch mit Fotos auf die Situation der vertriebenen Palästinenser aufmerksam. (Oliver Menge)

Sami Daher

Andere Sprache: Sami Daher macht auch mit Fotos auf die Situation der vertriebenen Palästinenser aufmerksam. (Oliver Menge)

Über das Schicksal des palästinensischen Volkes wird nur selten gesprochen. Nicht so an diesem Wochenende: Die von Pittaria-Besitzer Sami Daher initiierten Palästina-Tage widmen sich dem Thema – auf kulturelle Art.

Regula Bättig

Noch sind die Koffer nicht gepackt, doch bald ist Sami Daher weg, die Pittaria muss ab Januar ohne ihren Besitzer auskommen. Im Künstleratelier des Kuratoriums für Kulturförderung in Paris wird er sich ein halbes Jahr lang dem Schreiben widmen. «Die Palästina-Tage sind für mich eine gute Vorbereitung darauf», sagt er - trotz erheblichem Zusatzstress während seinen letzten verbleibenden «Solothurner Tagen». Denn in Paris will er zwei seiner Erzählungen zu einem Roman zu verarbeiten. Erzählungen, in denen er sich mit der Geschichte Palästinas, mit dem jüdischen Staat und der Rolle Europas auseinander setzt.

Keine Frage: Palästina ist Sami Dahers Thema. Sei es eigentlich immer schon gewesen, stellt er klar. Wer mit ihm spricht, merkt bald: Die Wunden sitzen tief. «Mein persönliches Trauma habe ich verarbeitet, jetzt geht es um die kollektiven Verletzungen», sagt er. «Wir Palästinenser haben unsere Heimat verloren, doch in den Augen vieler sind wir die Täter.» Was er auch in der Schweiz immer wieder zu spüren bekommen habe. Und Besserung sei nicht in Sicht: In Dahers Augen ist der Friedens-prozess dann auch nicht mehr als ein «Palaver, in dessen Schatten die ethnische Säuberung voranschreitet». Und dies versuche er, in die Öffentlichkeit zu tragen.

Seit Jahren engagiert

Seit fast 20 Jahren engagiert sich der 50-Jährige deshalb für die Anliegen des aus seinen Dörfern vertriebenen palästinensischen Volkes. Mehr und mehr trat er in Diskussionsrunden und als Auskunftsperson für Schulen und Medien zu diesem Thema in Erscheinung, er begann Gruppenreisen zu organisieren, nahm Auftritte als Geschichtenerzähler wahr. «Erst jetzt verfüge ich über Kontakte und Instrumente um in grösserem Stil nach Aussen aufzutreten.»

Das tut Daher mit den Palästina-Tagen nun tatsächlich. Diese richten sich nämlich nicht nur an Kenner der Situation in Israel, sondern «an alle die es interessiert»: Das Thema wird nicht primär über den Kopf, sondern über den Bauch angegangen - in Form eines Konzerts, der in der Schweiz wohnhaften Palästinenserin Kamilya Jubran; eines Dokumentartheaters, das mit Zitaten verschiedenster im Konflikt Beteiligten arbeitet sowie dem Erzählabend, bei dem Daher eine seiner Geschichten erzählt und die ehemaligen Tagesanzeiger-Nahostkorrespondentin Marlène Schnieper zu Wort kommt. Auf deren Auftritt sei er selber sehr gespannt, sagt Daher. «Sie kennt die akutelle Situation in Israel bestens, aber ich weiss nicht, über was genau sie berichten wird.»

Neue Wege gegangen

Komplettes Neuland betritt Daher mit der Fotoausstellung, die ebenfalls im Rahmen der Palästina-Tage lanciert wurde und in der Galerie des Kulturm zu sehen ist: «Bisher war die Zunge mein einziges Instrument um mein Anliegen nach aussen zu tragen, hier tut sich mir eine neue Welt auf: Bilder sprechen eine ganz andere Sprache.» Im April war er im Norden von Palästina unterwegs, 1500 Fotos hat er von dieser Reise mit nach Hause gebracht. Er wolle Zeugnis ablegen über das, was in den letzten gut 60 Jahren in dieser Region passiert sei, sagt er. Seine Bilder zeigen blühende Landschaften genauso wie zerstörte palästinensische Dörfer, verfallene Moscheen und Kirchen.

«Seinem» Thema wird er sich Sami Daher in Paris sicher mindestens so intensiv widmen wie in Solothurn. «Vor allem aber freue ich mich darauf, endlich Zeit für mich selber zu haben und mich ganz dem Schreiben widmen zu können». Und danach? Glaubt er nicht, dass er seiner Pittaria dann «entwachsen» ist? Nein, ist Daher überzeugt. Die Pittaria sei für ihn mehr als eine Existenzgrundlage: «Hier habe ich mein kleines Zuhause».

Kulturm 10. bis 12. Dezember. Donnerstag: «Die Vertreibung». Freitag: Kamilya Jubran. Samstag: Sami Daher und Marlène Schnieper. Fotoausstellung «Ethnisch sauber» noch bis am 31. Januar.

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