Brigit Leuenberger

In René Stricklers Schublade liegt ein Projekt mit Namen Jungleworld. Dort, so hofft der Raubtierbändiger, werden dereinst seine Tiger, Löwen, Pumas und Bären ein neues Zuhause finden. 45 000 Quadratmeter oder fast dreimal mehr Fläche als sein jetziger Park in Subingen soll «Jungleworld» umfassen. Ursprünglich hätte dieses gigantische Projekt im freiburgischen Dompierre bei Avenches zu stehen kommen sollen. Die Baubewilligung lag bereits vor. Da aber einer der Hauptsponsoren ausstieg, platzte das Vorhaben. Nun sucht René Strickler ein neues Domizil. Als möglicher Standort kommt auch Grenchen infrage. SVP-Gemeinderat und Unternehmer Heinz Müller hatte die Diskussion dazu ins Rollen gebracht (wir berichteten).

Die Stadt schweigt

«Ich bin davon überzeugt, dass sich dieses Projekt realisieren lässt», sagt dieser. Seit mehreren Monaten führt Müller die Internetseite raubtierpark-grenchen.ch und hat für seine Idee bereits eine grosse Anzahl Anhänger aus der Region gefunden, wie er betont. Namen will er vorerst keine nennen. Wie aber stehen Vertreter von Politik und Stadt zur Vision eines Raubtierparks?

Die Stadt schweigt sich aus. Weder Stadtpräsident Boris Banga noch die Leiterin für Standortmarketing, Kultur und Sport, Barbara Pestalozzi, geben Auskunft. Sie wollen den Antrag der Baudirektion abwarten, die damit beauftragt wurde, die Realisierbarkeit eines solchen Projekts zu prüfen. «Der Antrag ist in Arbeit», bestätigt Stadtbaumeister Claude Barbey. Derzeit gehe es darum, fundierte raumplanerische und wirtschaftliche Überlegungen anzustellen.

Keine Arbeitsplätze gefährden

Behandeln wird den Antrag als Erstes die Gemeinderatskommission (GRK). Wie positionieren sich deren Mitglieder? Hubert Bläsi (FdP) findet die Idee «auf jeden Fall prüfenswert». Der Vizestadtpräsident hat Stricklers Tiere in Subingen besucht und einen guten Eindruck bekommen. «René Strickler ist ein Tierfreund, der seine Sache sehr gewissenhaft macht.» Man müsse das Thema mit Sachverstand angehen, findet er, räumt aber ein: «Natürlich kann man betreffend Tierhaltung geteilter Meinung sein.»

Andreas Kummer (CVP) ist ein klarer Befürworter des Raubtierparks. «Das wäre ein sehr attraktives Ausflugsziel für Grenchen», betont er. Allerdings müsse man sorgfältig nach einem geeigneten Standort suchen. «Keinesfalls dürften durch den Wegfall von Landreserven mögliche künftige Arbeitsplätze gefährdet werden. Die Industrie muss klar Vorrang haben.» Das findet auch Walter Sahli, Präsident des Industrie- und Handelsverbandes Grenchen und Umgebung. «Der Ansiedlung eines solchen Parks stehe ich grundsätzlich positiv gegenüber, vorausgesetzt, dass der Park nicht an bester Industrielage angesiedelt wird.»

Wo ein Wille ist, da ist ein Weg

Urs Wirth (SP), ebenfalls GRK-Mitglied, will zurzeit kein Statement über den Raubtierpark abgeben. «Mir fehlen die Fakten, um sachpolitisch zu diskutieren. Deshalb sage ich nichts», erklärt der sonst nie um ein Wort verlegene Politiker. Dass Ivo von Büren seinem Parteikollegen Müller in der GRK den Rücken stärken wird, versteht sich indes von selbst: «Die Idee ist gut und ein idealer Standort wird sich auf alle Fälle finden lassen.»

Und was meint René Strickler selbst dazu? «Ich habe nichts mehr von Grenchen gehört und weiss nicht, was dort derzeit läuft in Bezug auf mein Projekt», sagt er. Grundsätzlich sei er daran interessiert, mit den Verantwortlichen zusammenzusitzen und über die Möglichkeiten zu diskutieren. Dabei zeigt er sich betreffend seinen persönlichen Ideen durchaus flexibel. «Ich habe ein fertiges Projekt und eine genaue Vorstellung, wie der Park aussehen sollte. Das muss jedoch nicht genau so übernommen werden.» Allerdings sei Grenchen nicht der einzige Standort, der sich für sein attraktives Familien- und Freizeitangebot anbiete. «Ich verhandle auch mit anderen Gemeinden», verrät er.

Unterdessen baut Heinz Müller seine Vision eines Freizeitparks Grenchen noch weiter aus. «Man könnte den Wildtierpark in der Nähe des Schwimmbades ansiedeln und gleich auch noch einen Wasserpark realisieren. Im ganzen Mittelland wäre das ein einzigartiges und unübertreffliches Angebot.» Doch geht er damit nicht zu weit? «Es stellt sich die einfache Frage, ob man will oder nicht», ist der SVP-Mann überzeugt. «Wenn man will, gibt es auch einen Weg.»