Seewen

Ein See mit Staudamm: Absenderin dieses ungewöhnlichen Geschenks ist die Stadt Basel. Der Solothurner Regierungsrat hat dankend angenommen: Für 27 Franken postete er gleich noch einen ehemaligen See dazu.

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Stadt Basel schenkt Solothurn den «Baslerweier» in Seewen

Stadt Basel schenkt Solothurn den «Baslerweier» in Seewen

Wenn es die Stadt Basel bis zum Überschreibungsakt Ende Februar nicht noch reut, erhält der Kanton Solothurn damit das grösste stehende Gewässer zu Eigentum, das vollständig innerhalb seines Kantonsgebiets liegt.

Der «Baslerweier» ist 500 Meter lang und hat eine Wasserfläche von rund drei Hektaren. Das Grundstück mit Weiher, Damm und Uferpartien misst 5,3 Hektaren. Geschaffen hat den Weiher der Mensch. 1870 erbaute das Basler Wasserwerk etwa 200 Meter oberhalb von Seewen den Damm, der den von Bretzwil kommende Seebach staut.

Doch: In der Nacht auf den 26. Juni 1871 brach der Damm, und das Wasser ergoss sich ins Dorf. Nach dieser Katastrophe hat der reparierte Damm bis heute gehalten. Er wird jährlich kontrolliert. Heute nutzt die Stadt Basel den See nicht mehr zur Trinkwasserversorgung. Unterhalten wird er aber von den Industriellen Betrieben Basel.

Mit Tunnelbau trockengelegt

Eine andere Geschichte ist es mit dem ehemaligen See von Seewen, den die Stadt Basel nun dem Kanton Solothurn für 27 Franken verkauft. Entstanden war dieses Gewässer vor etwa 8000 Jahren durch einen Bergsturz, der das Tal 40 Meter hoch verschüttete. Der See westlich von Seewen war drei Kilometer lang und 50 Hektaren gross, mehr als doppelt so gross wie der Burgäschisee (23 Hektaren).

Offenbar freute der See die Seewner aber wenig – sie fühlten sich durch die Begleiterscheinungen einer Sumpflandschaft belästigt. Wie der Oltner Peter Strohmeier in seiner Beschreibung des Kantons Solothurn (1836) berichtet, erhielt im Jahr 1488 «Thomann, der Schmied des Ortes» die Bewilligung von der Regierung, den See abzugraben.

Als Entgelt sollte Thomann die Hälfte der Fische bekommen, doch sein Vorhaben scheiterte. Mehr Erfolg hatte 100 Jahre später der Wegmeister Konrad Strub von Hauenstein, der einen 200 Meter langen Tunnel graben liess. Der Solothurner Chronist Franz Haffner vermerkt diese erstaunliche Leistung unter dem Datum des 6. November 1588.

Es soll damals der längste Tunnel in der Eidgenossenschaft gewesen sein. Laut einer Sage sollen für den Bau zum Tode verurteilte Häftlinge eingesetzt worden sein, denen bei Gelingen des Werks die Freiheit versprochen wurde.

Schriftlich verbürgt ist im Jahr 1599 der Name eines vom Vogt eingesetzten «Hüters beim Seeloch» (Abflusswächter, der die Verstopfung des Stollens verhindern musste): Noch heute heisst die Gegend beim Tunneleingang «Welschhans».

Mit dem Ablassen des Sees wurde Land gewonnen. Indessen war der Eingang zum Stollen etwas zu hoch angelegt, sodass der Boden sumpfig blieb. Erst 1919 führte die Flurgenossenschaft Seewen die Drainage des Seebodens durch. Wie Rolf Glünkin vom Solothurner Amt für Raumplanung berichtet, weist das gewonnene Land aber keine guten Abflusseigenschaften auf und neigt zu Staunässe. Es wird hauptsächlich zum Grasen genutzt.

Da der vom Seebach durchflossene Seeboden nicht überbaut ist, ahnt der Betrachter heute noch mühelos die einstige Seelandschaft.

Weiher und «See» sind Schutzgebiete

Seit 2004 verhandelte die Stadt Basel mit der Gemeinde und dem Kanton Solothurn über die Zukunft ihrer Besitztümer in Seewen. Die Gemeindeversammlung sprach sich 2005 für den Erhalt des «Baslerweiers» aus.

Dieser ist ein kantonales Naturschutzgebiet, während der «See» ein Vorranggebiet für den Natur- und Landschaftsschutz ist und zudem als Teil des Gempenplateaus zu einer Landschaft von nationaler Bedeutung gehört und als Grundwasserschutzzone geschützt ist.

Der Natur- und Landschaftsschutz, aber auch der mit dem Staudamm gewährleistete Hochwasserschutz für Seewen sind die Gründe, warum der Regierungsrat die Schenkung des «Baslerweiers» annimmt und die 27 Grundstücke im See von zusammen 40,7 Hektaren für einen symbolischen Franken pro Parzelle kauft.

Im Vertrag mit der Stadt Basel verpflichtet sich der Kanton Solothurn zum Unterhalt: Pro Jahr stehen Pachteinnahmen im «See» von 15 000 Franken Kosten von 25 000 Franken für den «Baslerweier» gegenüber. Aber, um ein Sprichwort abzuwandeln: Geschenkten Seen schaut man nicht auf den Grund. (mz/cva/lba)