«Seckel» auch im Internet strafbar

400 Franken Busse muss Ursula Notter bezahlen, weil sie den früheren Wohler Vizeammann Harold Külling im Internetforum «Wohlen-Online» als «Seckel» beschimpft hat. Dazu kommt eine bedingte Geldstrafe von 1700 Franken.

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Ursula Notter

Ursula Notter

Fabian Hägler

Ursula Notter ist heute noch überzeugt, dass der Wohler Rechtsanwalt und frühere Vizeammann Harold Külling ihren 2003 verstorbenen Vater Josef Steiner nicht hätte vertreten dürfen. «Er hätte damals sicher keinen Anwalt gebraucht, sondern einen Arzt», sagt sie.

Der Grund für diese Aussage: Ihr Vater war 1991 von einem Baum gestürzt und litt seither an psychischen Problemen. Ein gerichtliches Gutachten im Streit um die Gültigkeit seines Testamentes attestierte ihm gar paranoide Schizophrenie. Trotzdem übernahm Külling das Mandat als Anwalt von Josef Steiner, holte ihn mehrfach aus psychiatrischen Kliniken und führte Prozesse in seinem Auftrag.

Ursula Notter machte den Fall publik und schrieb im Forum «Wohlen-Online» diverse kritische Beiträge über Külling. Dieser klagte sie wegen Ehrverletzung, Beschimpfung und Verleumdung ein.

Schuldspruch in drei Punkten

Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte Ursula Notter nun zu einer Busse von 400 Franken sowie einer bedingten Geldstrafe von 1700 Franken. Drei konkrete Aussagen erachtete Gerichtspräsident Peter Thurnherr als strafbar.

Als Beschimpfung wertete Thurnherr die Zeilen: «Do kännid mer en andere, gopferdeckel / fürs Gäld macht de alles, e sone S...». Obwohl das Wort «Seckel» nicht ausgeschrieben sei, ergebe sich aus dem Reim implizit dieser strafbare Ausdruck.

Als üble Nachrede beurteilte er den Eintrag: «Wenn H. Külling nicht gewesen wäre, hätte unserem Vater geholfen werden können (ich bin überzeugt, er könnte sogar noch leben)». Aus diesem Eintrag geht laut Bezirksgericht der Vorwurf hervor, Külling habe «durch Unterlassungen den Tod» von Josef Steiner mitverursacht.

Ebenfalls als üble Nachrede wertete Thurnherr das Zitat: «Seine Unwahrheiten sind mehrfach erwiesen und nicht mehr zu bestreiten.» Das Gericht argumentiert, Notter habe Külling mit dieser Aussage «der
Lüge bezichtigt.»

In den zahlreichen übrigen Punkten, die zur Anklage gebracht wurden, konnte der Gerichtspräsident laut Kurzbegründung kein strafbares Verhalten erkennen. Auf Freispruch wurde in diesen Fällen entschieden, weil die Aussagen Küllings Tätigkeit «als Berufsmann, das heisst als Anwalt und Sozialvorsteher, kritisieren».

Weiterzug ans Obergericht noch offen

Abgewiesen hat das Bezirksgericht Küllings Forderung, Notter müsse seine Anwaltskosten von knapp 14000 Franken und eine Genugtuung von 5000 Franken an die Stiftung Roth-Haus Muri bezahlen.

Willy Bolliger, der Rechtsanwalt von Ursula Notter, sieht das Urteil als «Niederlage für Külling». Von den unzähligen eingeklagten Punkten seien nur drei übrig geblieben. «Meine Mandantin behält sich trotzdem vor, den Entscheid ans Obergericht weiterzuziehen», erklärt Bolliger.

Harold Külling betont: «Frau Notter ist verurteilt worden.» Weiter möchte er sich nicht zum Urteil äussern.

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