Freiheitsstrafe
Sechs Monate Knast - weil sie Steine auf Autobahn warfen

Die vier jungen Männer aus dem Balkan sind zig Mal eingebrochen, beschädigten Autos und warfen Steine auf fahrende Wagen auf der Autobahn. Heute erhielten sie vom Bezirksgericht Kulm die Quittung. Zwei von ihnen müssen ins Gefängnis.

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Steine auf Autobahn geworfen

Steine auf Autobahn geworfen

Aargauer Zeitung

Peter Siegrist

Das Bezirksgericht Kulm eröffnete heute seine Urteile gegen vier Männer mit bosnischer oder kroatischer Staatsbürgerschaft, heute zwischen 22 und 26 Jahre alt. Wie Gerichtsschreiberin Yvonne Thöny Faes gegenüber der AZ sagte, hatte das Gericht in der Urteilsfindung einerseits die massiven Straftaten, die Anklage des Staatsanwalts, andrerseits die Täter in der damaligen und heutigen Situation, ihren Lebenswandel seit der U-Haft und die Prognosen für die Zukunft gegeneinander abzuwägen.

Vor drei Jahren waren die Angeklagten mehrmals in Läden eingebrochen und hatten Waren gestohlen. Mehrfach hatten sie nachts willkürlich parkierte Autos demoliert. Drei von ihnen warfen zweimal in Buchs mitten in der Nacht an der Autobahn T5 bis zu faustgrosse Steine auf vorbeifahrende Fahrzeuge.

Differenzierte Urteile

Die vier Urteile fielen differenziert aus. Gegen zwei der Angeklagten verhängten die Richter 30 beziehungsweise 27 Monate Freiheitsstrafe. Davon sind 6 Monate unbedingt und der Rest bedingt mit einer Probezeit von drei Jahren. Die beiden andern Angeklagten kassierten eine Strafe von je 20 Monaten mit bedingtem Vollzug und einer Probezeit von drei Jahren.

Der Staatsanwalt klagte auf bandenmässigen, mehrfachen Diebstahl und sah im Steinwerfen auf fahrende Autos eine Gefährdung des Lebens. Für drei der Angeklagten forderte er eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren, für den vierten zwei Jahre, dieser war beim Steinwerfen nicht dabei gewesen.

Die vier Anwälte der Angeklagten hatten den Tatbestand des bandenmässigen Diebstahls in Abrede gestellt. Im Fall der Steinwürfe verlangten zwei der Verteidiger für ihre Mandanten einen Freispruch «von der Gefährdung des Lebens» . Für die Fahrer der getroffenen Autos habe keine akute Lebensgefahr bestanden. Sie hielten Freiheitsstrafen von 12 bis zu 21 Monaten, bedingt erlassen auf zwei Jahre, für angemessen.

Sie votierten, die Angeklagten zeigten Reue und hätten sich seit der U-Haft vor drei Jahren bis zur Verhandlung nichts mehr zuschulden kommen lassen. Alle vier arbeiteten und erhielten von ihren Arbeitgebern durchwegs gute Zeugnisse. Ein unbedingte Strafe sei bei diesen guten Prognosen fehl am Platz.

Tatbestand ist klar

Für das Gericht galt: Alle vier Angeklagten haben sich bei den Vandalenakten an Autos der Mittäterschaft schuldig gemacht. Ebenso ist für die Richter der Tatbestand des bandenmässigen Diebstahls erfüllt. Für die Steinwürfe gilt: Passanten, die nachts Steine auf fahrende Autos auf der Autobahn werfen, gefährden mit ihrem Tun das Leben anderer Menschen.

Auf der Täterseite hat das Gericht die guten Prognosen und bei jedem der Angeklagten die drei Jahre seit der U-Haft ohne Delikte, in der Urteilsfindung gewürdigt.

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