Schwimmlehrer

Schwimmlehrer sitzt im Gefängnis

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M. B. wird in Baden keine Kinder mehr im Schwimmen unterrichten. Er hat in allen öffentlichen Einrichtungen Hausverbot und ist auf Anordnung des Haftrichters in Untersuchungshaft genommen worden.

Von Toni Widmer

Schwimmlehrer M. B., der im Hallenbad Baden eine Schwimmschule betrieb und dabei auch im Auftrag der Schulen Ennetbaden und Ehrendingen Unterricht erteilte, sitzt im Kanton Zürich in Untersuchungshaft. Das hat Ariane Schaeppi, Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis, gegenüber der MZ bestätigt.

Die Untersuchungshaft, erklärte Schaeppi, sei Ende März vom Haftrichter des Bezirks Dietikon im Rahmen einer Strafuntersuchung gegen den Betreiber eines Dietiker Erotik-Studios angeordnet worden. M. B. wird laut Staatsanwaltschaft vorgeworfen, eine ehemalige Mitarbeiterin des Studios «im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt zu haben». Eine nähere Umschreibung des vermuteten Straftatbestands gibt es unter Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Aus den Angaben lässt sich immerhin die Vermutung konstruieren, dass M. B. eine Prostituierte im Dietiker Etablissement zu irgendwelchen Handlungen gezwungen oder sonst wie unter Druck gesetzt haben muss.

Keine Verfehlungen im Hallenbad

Staatsanwältin Ariane Schaeppi legte ausdrücklich Wert auf die Feststellung, dass im Rahmen der Ermittlungen «zurzeit keinerlei Hinweise auf irgendwelche Straftaten zum Nachteil von Minderjährigen» bestünden. Das unterstreicht die Feststellungen der Ehrendinger Schulpflegepräsidentin im gestrigen MZ-Bericht. Pia Viel hatte erklärt, dass die Schulpflege Ehrendingen mit M. B. gute Erfahrungen gemacht habe und es vonseiten der Eltern nie Reklamationen gegeben habe.

Schulleiter Samuel Schölly hat diese Information heute noch einmal bestätigt: «Der Schwimmunterricht von M. B. ist von Eltern und Kindern allgemein als gut beurteilt worden. Kritisiert worden ist in Einzelfällen einzig sein strenger Ton. Darüber haben wir mit ihm aber gesprochen.»

Dennoch wird die Schule Ehrendingen künftig auf die Dienste von Schwimmlehrer M. B. verzichten: «Seine Betätigung im Erotik-Bereich lässt sich nicht mit seiner Unterrichtstätigkeit vereinbaren», sagte Schölly. Der Mann sei freigestellt, bei der Kündigung würde der ordentliche Weg eingehalten: «Wir werden ihm das rechtliche Gehör gewähren und die Sache fair und korrekt abschliessen.»

Den Schlussstrich bereits gezogen hat der Stadtrat Baden. M. B. hat ab sofort in allen öffentlichen Einrichtungen Hausverbot. «Eine Tätigkeit im Erotik-Bereich lässt sich mit jener eines Schwimmlehrers nicht vereinbaren, deshalb haben wir gehandelt», erklärte auch Hans Strittmatter, Leiter Stabs- und Personaldienste der Stadt Baden. Strittmatter hielt weiter fest, dass M. B. in keinerlei Auftragsverhältnis zur Stadt Baden gestanden habe: «Er hat wie ein normaler Gast eine Eintrittskarte ins Hallenbad gelöst und dort Schwimmunterricht erteilt.»
Für die Absperrung eines Beckenbereichs sei jeweils vom Bademeister direkt eine kleine Gebühr eingezogen worden. Auch für Strittmatter ist es wichtig, zu erwähnen, dass sich M. B. im Hallenbad stets anständig verhalten habe.

Gattin hat sich von M. B. getrennt

Anders war es offenbar im privaten Bereich. Eine Vertraute der Gattin von M. B. hat der MZ gegenüber erklärt, dass diese nur am Rande über das Engagement ihres Mannes im Erotik-Bereich informiert gewesen sei. Sie habe sich auch deshalb bereits vor drei Monaten von ihm getrennt. «Der Frau macht die ganze Angelegenheit zu schaffen. Umso mehr, als sie jetzt in der Berichterstattung der Medien mit in die Sache hineingezogen wird. Sie hat sich beruflich auf seriöse Weise etwas aufgebaut und das droht jetzt einfach zunichte gemacht zu werden», erklärte die Informantin.

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