Velotour
Schwierige Orientierung in Dörfern

Die Limmattour führt nach Gebenstorf, Untersiggenthal und Würenlos. An Sehenswürdigkeiten und Beizen mangelt es nicht auf der Velotour, die über die Kantonsgrenze führt. Dafür herrscht in Sachen Sicherheit und Ausschilderung Nachholbedarf.

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Velo Röckli
4 Bilder
Was nun? Was nun? Nach Otelfingen endet der Veloweg. (som)
Traktor Schöne Strecke: Auch für den Traktor gibts auf dem Veloweg von Birmenstorf nach Gebenstorf genug Platz. (som)
Huttikon Hüttikon: Hinein in den alten Dorfkern mit Fachwerkhäusern. (som)

Velo Röckli

Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

Ich bin keine Sonntagsfahrerin. Mein Velo bringt mich täglich und bei fast jedem Wetter zur Arbeit. Zugegeben, die Fahrt dauert nur fünf Minuten und meine letzte grössere Velotour ist schon eine Weile her. Jetzt, kurz vor der rund 40 Kilometer langen Limmattour, fürchte ich, dass nicht nur ich, sondern auch mein «Göppel» die Strapazen nicht aushalten könnten.

Der lange Winter hat ihm eben stark zugesetzt. «Wenn er unterwegs kaputtgeht, hast du wenigstens etwas zum Schreiben», sagt eine Kollegin. Ich beschliesse, lieber vorher zum Velo-Doktor zu gehen. Seine Diagnose: Bremsklötze abgenutzt, Übersetzung verbogen und Dynamo kaputt.

Turgi: Wo ist der Veloweg?

Nach 20-minütiger Behandlung ist mein Velo wieder heil, und ich trete der Mellingerstrasse entlang in Richtung Birmenstorf. Glücklicherweise muss ich nicht lange der viel befahrenen Strasse entlang fahren. Der Veloweg führt bald durch Badener Quartierstrassen. Ich fahre am Dättwiler Weiher und am Kantonsspital vorbei. Auf dem gut ausgeschilderten Veloweg fühle ich mich sicher. Kurz vor Birmenstorf muss ich scharf bremsen - sonst würde ich in Bauarbeiter hineindonnern.

Etwas vorsichtiger steuere ich mein nächstes Etappenziel Gebenstorf an. Ein schöner Fahrradweg führt mich hin. «Die Aargauer Velowege sind top», denke ich. Als ich nach einer Fahrt durch Gebenstorfer Quartierstrassen aber eine viel befahrene Hauptstrasse vor mir sehe, stellt sich die Ernüchterung ein. Noch schlimmer ist der Veloweg entlang der Vogelsangstrasse, der nach Turgi hinunterführt. Was heisst hier Veloweg - den gibt es hier nämlich nicht. Stattdessen fahre ich auf der Strasse und hoffe, dass die vielen Autos mich nicht übersehen . . .

Verwirrung in Untersiggenthal

Erst nach dem Bahnhof Turgi darf ich wieder einen separaten Veloweg benutzen. Zum ersten Mal auf meiner Tour sehe ich die Limmat. Soll ich meine Füsse ins Wasser tauchen? Keine Zeit, beschliesse ich und nehme eine kleine Bergetappe auf der Schöneggstrasse nach Untersiggenthal in Angriff. Oben angekommen, bin ich nicht nur ausser Atem, sondern auch verwirrt. Ich entdecke keinen Wegweiser, der nach Baden zeigt. Am nächsten Tag erfahre ich, dass der Veloweg durch das Dorf Untersiggenthal geführt hätte.

Stattdessen rolle ich der viel befahrenen Landstrasse entlang, bis ich beim Schwimmbad Obersiggenthal einen Veloweg entdecke. Dieser geht durch ruhige Quartierstrassen und über die Siggenthaler Brücke. Bis nach Baden fahre ich auf einem breiten Velostreifen, die vielen Autos stören mich nicht allzu sehr. Obwohl ich jetzt wieder da bin, wo ich angefangen habe, ist Baden noch nicht das Ende meiner Tour. Die grössere Etappe liegt noch vor mir. Deshalb lasse ich alle Sehenswürdigkeiten, Einkaufsmöglichkeiten und Beizen links liegen und pedale über die Hochbrücke nach Wettingen.

Hüttikon: Beiz ist zu

In der Gemeinde mit dem schönen Kloster bin ich wieder ratlos. Die Velowegweiser zeigen zwar nach Neuenhof, Zürich oder Dietikon, aber nicht zu meinem Ziel Otelfingen. Hier hilft nur ein Blick auf die Karte. Diese zeigt, dass der Veloweg parallel zur Wettinger Einkaufsmeile, der Landstrasse, verläuft. Die Zentralstrasse ist ruhiger und führt durchs Quartier.

Am Ende des Dorfes führt der Weg nach Otelfingen durch einen Wald und an Bauernhöfen vorbei. Ferienstimmung kommt auf. Kurz nach der Zürcher Kantonsgrenze zeigt aber ein Schild das Ende des Veloweges an. Absteigen? Weiterfahren? Ich entscheide mich fürs Weiterfahren auf dem Trottoir; nach 200 Meter führt ein Wegweiser ins zürcherische Hüttikon. Eigentlich würde ich im Dorf mit den schönen Fachwerkhäusern gerne einen Boxenstopp einlegen. Aber vor einem Restaurant steht auf einem Schild: «Mir verstönd Eue Ärger, aber hüt isch zue.»

Würenlos: Veloweg endet

Mein Ärger ist weg, als ich in den Aargau hinunterrolle. Ich muss nicht in die Pedalen treten und der Wind bläst ins Gesicht - so macht Velofahren Spass. In Würenlos ist Kopfarbeit angesagt. Denn hier endet der Veloweg wieder einmal; kein Wegweiser zeigt nach Killwangen. Anstatt die Karte zu studieren, vertraue ich meinem Gefühl und fahre durch das Dorf - nach etwa 500 Metern ist Killwangen ausgeschildert.

Dort kehre ich endlich ein und stosse mit einem Bier auf mich selbst an. Beschwingt fahre ich nach Baden, diese Strecke ist ein Klacks. Der Weg ist gut ausgeschildert und sicher. Bis ich in Baden ankomme, lerne ich friedliche Neuenhofer Quartiere kennen, sehe die Limmat und fahre durch den Wald.

Mein Fazit nach dem dreistündigen Ausflug: Eine eher urbane Velotour mit vielen Beizen und Sehenswürdigkeiten. Naturfreunde kommen nur teilweise auf ihre Kosten und auch in Sachen Sicherheit herrscht Nachholbedarf. Ebenfalls sollte man eine Karte mitnehmen damit die Tour durch Dörfer und Städte nicht zur Irrfahrt wird.

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