Maja Sommerhalder

Bestattungsunternehmer haben es schwer - Besserung ist nicht in Sicht. Grund dafür ist, dass immer mehr Menschen übergewichtig sind - jeder dritte Schweizer ist zu dick. «Es werden viel mehr Übergrössensärge bestellt als früher», sagt Karin Koch Sager vom Wohler Bestattungsinstitut Koch. 260 Bestattungen führt sie pro Jahr durch; etwa einmal pro Woche wiegt eine Person um die hundert Kilo: «Vor zehn Jahren kam dies alle paar Monate vor.» Dem Rücken zuliebe nimmt sie meistens einen Mann mit, wenn sie eine schwere Leiche abholt. Richtige Schwergewichte ab 150 Kilogramm begegnen ihr aber immer noch selten: «Das kommt einmal pro Jahr vor.» Dann müsse ein überbreiter Spezialsarg angefertigt werden.

Ähnliche Beobachtungen macht auch Ricco Biaggi vom Bestattungsdienst Biaggi AG in Gipf-Oberfrick: «Früher hatten wir zwei Überbreitensärge im Lager. Heute sind es bereits sechs.» Die Arbeit werde dadurch aber nicht beeinträchtigt: «Wir haben gute Hilfsmittel. Ein starker Rücken ist für unsere Arbeit sowieso unabdingbar.»

Fürs Krematorium zu dick

Breiter als 95 Zentimeter war bei ihm ein Sarg noch nie. Dann würden auch die Aargauer Krematorien an ihre Grenzen stossen, denn ihre Öfen seien 98 Zentimeter breit. «In den USA sind die Leichen teilweise so schwer, dass sie die Feuerwehr aus ihren Häusern schaffen muss. Dies kam bei uns noch nie vor. Die schwerste Person, die ich in den letzten 20 Jahren bestattet habe, wog 180 Kilo.»

Mit solchen Schwergewichten haben es auch die Krematorien in Baden und Aarau selten zu tun; denn meistens wenden sich die Bestattungsunternehmen schon von Anfang an die Krematorien Zürich oder Bern, die überbreite Spezialöfen haben. «Wir müssen nur etwa eine Person pro Jahr in einem anderen Kanton überweisen. Dieses Phänomen ist aber nicht neu», so Thomas Stirnemann, Leiter des Badener Werkhofes. Deshalb sei es auch nicht nötig, die Öfen anzupassen.

Feuerwehr musste helfen

Anders im Kantonsspital Baden. Hier wurde kürzlich ein Operationstisch angeschafft, der mit bis zu 220 Kilogramm belastet werden kann. Die anderen Operationstische halten 150 Kilogramm aus.
«Natürlich stellen wir fest, dass die Leute immer schwerer werden», sagt Marco Bellafiore, Mediensprecher des Kantonsspitals. Die Ambulanz müsse etwa zwei bis drei Mal pro Woche eine Person transportieren, die zwischen 100 und 140 Kilo wiegt. Etwa zehn Mal pro Jahr wird dieses Gewicht gar überschritten. «Die schwerste Person wog bisher 200 Kilo. Dann musste aber die Feuerwehr helfen», so Bellafiore.

Umgerüstet werden müsse der Badener Rettungsdienst aber nicht. Anders ist es in Winterthur, wie diese Zeitung am Montag berichtete: Weil hier schon Menschen transportiert wurden, die über als 200 Kilo wogen, wurde der Rettungsdienst mit einer Schwerstlastentrage und hydraulischer Hebevorrichtung aufgerüstet. «So dramatisch ist es bei uns noch nicht. Aber wir beobachten die Entwicklung», sagt Bellafiore.

Auch im Kantonsspital Aarau werden täglich fettleibige Patienten behandelt, wie Pressesprecherin Daniela Hunziker bestätigt: «Massiv übergewichtige Personen mit einem Bodymassindex von über 50 kommen aber immer noch selten zu uns.» Das wäre beispielsweise eine Person, die 1,72 Meter gross ist und über 150 Kilo wiegt. Trotzdem: Als man im März neue Operationstische anschaffen musste, entschied man sich für Modelle, die bis zu 250 Kilogramm aushalten. Bei den alten betrug das Maximalgewicht 200 Kilogramm.

Tragebarren mit sechs Griffen

Die Aarauer Ambulanz rüstet sich hingegen nicht für den Transport von massiv Übergewichtigen. Die Tragetische in den Rettungsfahrzeugen halten bis zu 220 Kilogramm aus. «Das deckt den Bedarf zu 95 Prozent ab. Bei den Spezialfällen muss die Feuerwehr helfen», so Hunziker. An die fettleibigen Patienten denkt auch Kurt Neeser, Leiter des Rettungsdienst Neeser in Wohlen: «Ich habe kürzlich Tragebarren angeschafft, die bis zu 250 Kilo aushalten. Zudem haben sie sechs statt vier Griffe.» Dies aber nicht, weil er besonders viele schwere Patienten transportieren müsse: «Weil wir sowieso neue Tragebarren brauchten, wollten wir auch für den Transport von Schwerstgewichtigen gerüstet sein.»