Schwerpunkt günstige Wohnungen

Wohnraum: Der Anteil Wohnungen in der Hand von gemeinnützigen Trägern soll erhöht werden. (Schwager)

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Wohnraum: Der Anteil Wohnungen in der Hand von gemeinnützigen Trägern soll erhöht werden. (Schwager)

In Zürich sollen vor allem auch Bevölkerungskreise mit einem schmaleren Portemonnaie zu bezahlbaren Wohnungen kommen. Der Stadtrat hat seine Wohnbaupolitik korrigiert.

Alfred Borter

Der Stadtrat von Zürich hat seinen Schwerpunkt in der Wohnbaupolitik verschoben. Statt auf den Slogan «Wohnungen für alle» - und damit ist auch gemeint: für eine gut betuchte Klientel - setzt er nun auf das Ziel, den Anteil Wohnungen in der Hand von gemeinnützigen Trägern zu erhöhen. Personen mit unteren bis mittleren Einkommen

sollen eher wieder eine Wohnung zu tragbaren Mieten finden. Heute beläuft sich der Anteil solcher Wohnungen auf 25 Prozent. «Wir wollen aktiv zu einer guten sozialen Durchmischung in der Stadt beitragen», betonte Stadtpräsidentin Corine Mauch.

Wie die Stadtpräsidentin zusammen mit den Stadtratsmitgliedern Martin Vollenwyder, Kathrin Martelli und Martin Waser ausführte, ist die Stadt Zürich sehr attraktiv. «Der Zuzug aus dem In- und Ausland hält an», erläuterte Mauch. Man geht davon aus, dass die Zahl von 400 000 Einwohnern in einigen Jahren erreicht sein wird - aktuell sind es rund 383 000. In den letzten zehn Jahren sind 13 000 neue Wohnungen entstanden, und in den nächsten Jahren rechnet man mit sogar mit 2000 Neubauwohnungen jährlich.

Allerdings sind die meisten grossen ehemaligen Industrieareale bald einmal überbaut, es gibt kaum mehr grössere Bauareale in städtischem Besitz, die im Baurecht zum Beispiel an Baugenossenschaften abgegeben werden könnten. Gleichwohl will die Stadt versuchen, mittels Arrondierungskäufen ihre für Neubauvorhaben geeigneten Grundstücke zu vergrössern. Auch will der Stadtrat dem Gemeinderat einen Kredit von 20 Millionen in erster Linie für die Erstellung von Studentenwohnungen beantragen. «Aber wir wollen nicht in Aktivismus verfallen», gab Finanzvorstand Vollenwyder zu verstehen, «das wäre kreuzverkehrt.»

Er bedauerte, dass mehrere Bauvorhaben durch Einsprachen blockiert seien; 4000 Wohnungen kämen daher später als geplant auf den Markt.

Eine Ausweitung der Bauzonen ist für Hochbauvorsteherin Martelli keine Option, sondern die Verdichtung. Gerade Baugenossenschaften hätten in letzter Zeit gezeigt, dass man eine Erhöhung der Wohnungszahl auf einem bloss locker überbauten Areal auch sozialverträglich durchführen könne. Die Stadt unterstützt deshalb weiterhin qualitativ wertvolle Ersatzneubauten. Weiter betonte sie, die Stadt dränge nicht auf eine Verschärfung der Vorschriften gegenüber privaten Bauträgern, damit diese einen Teil der Wohnungen günstig anbieten, in Zürich setze man eher auf Verhandlungen.

Einsetzen will sich die Stadt auch dafür, dass der Wohnflächenbedarf je Einwohner nicht ungebremst zunimmt. So sollen Ehepaare, deren Kinder ausgeflogen sind, möglichst die Gelegenheit erhalten, ihre grossen Wohnungen aufzugeben und eine kleinere Wohnung zu beziehen - zu vernünftigem Preis, versteht sich. Dadurch sollten günstige grössere Wohnungen für junge Familien frei werden.

Der Stadtrat gibt sich aber keinen Illusionen hin: «Die Mietpreise werden verhältnismässig hoch bleiben», hält er in seinen Positionen zur städtischen Wohnpolitik fest.

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