Corinne Rufli

Vor Corky muss man sich in Acht nehmen. Wenn nicht, hat man plötzlich eine feuchte Zunge im Gesicht. «Pass auf», warnt Fab Syz bei der ersten Annäherung. Sie und Sunci Nikolic sind die Frauchen der frechen Hündin. Zwischen Artigkeit und unkontrollierter Neugier gesellt sich Corky beim Interview zu den beiden aufs Sofa.

Die Internet-Plattform Shoe.org stand nicht nur am Anfang einer virtuellen Welt für lesbische Frauen, Shoe stand auch am Anfang einer Liebesbeziehung: «Ich kannte niemanden in der Szene und suchte via Internet jemanden, der mir hilft Lesben-Events online zu stellen», erzählt Sunci. «Fab hat sich gemeldet und am ersten Abend unseres Treffens ist Shoe geboren und wir haben uns verliebt.» Das war 1997, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Seither wohnen und arbeiten sie gemeinsam. Sieben Jahre lang hielten sie es mitten im Zürcher Rotlichtviertel aus. Vom Lärm, den Dealern und den Prostituierten hatten sie dann aber genug. Sie wollten raus aus Zürich. So kamen die beiden vor vier Jahren nach Oberlunkhofen.

Sammelsurium von Sites

«Der Name Shoe hat nichts mit Schuhen zu tun», erklären Fab und Sunci. Sie wollten einen nicht lesbenspezifischen Namen. «Es gibt so viele verschiedene Schuhe, wie es verschiedene Frauen gibt», sagen sie.

Das Ziel von Shoe ist, Lesben untereinander zu verknüpfen. Was zuerst eine einfache Mailinglist war, ist zu einem riesigen Portal mit unzähligen Möglichkeiten geworden. Shoe.org beinhaltet Profile mit Bildern, Freundinnenlisten, Kleinanzeigen - die von der Suche nach einem Samenspender bis zu Konzerttickets für Pink reichen -, News aus der Lesbenwelt oder die Suchmöglichkeit nach lesbischen Frauen in der Umgebung. «Shoe soll ein schöner Ort sein, wo man sich wohlfühlt», sagt Sunci, die in Wettingen aufgewachsen ist. Seriosität und Qualität sei ihnen wichtig.

Mit dem grossen Relaunch der Seite setzen die mittlerweile zu Internet-Profis herangewachsenen Frauen wieder mehr auf das Lokale. «Nicht nur in der virtuellen Welt, sondern in der Realität sollen sich die Frauen treffen», sagt die Zürcherin Fab. Die Website ist moderner geworden und übersichtlicher. «Man muss mit der Zeit gehen und darf nicht stehen bleiben», sagt Fab, die der ungeduldigen Corky ein Guetzli gibt.

Neben Shoe.org stecken Fab und Sunci auch hinter der beliebten Website lesbian.ch und regenbogenshop.com und sind Besitzerinnen von etwa 80 anderen Websites. Sie hätten so viele Ideen, kämen aber nicht dazu alles umzusetzen.

Internationales Netzwerk

Seit einem Jahr können sie endlich auch von ihrer Arbeit leben. «Shoe kostet uns zwar immer noch, der Regenbogenshop ist dafür unser Zugpferd», sagt Fab. Im Online-Shop kann man alles kaufen, was das Lesben-Herz begehrt: vom Shoe-Schlüsselanhänger, über Boy-Briefs bis zu Regenbogen-Kerzen.

Mittlerweile haben 150 000 Frauen ein Profil bei Shoe. 10 000 Frauen allein aus der der Schweiz. Führend sind aber die USA (55 000) gefolgt von Deutschland (40 000). 1000 neue Profile gebe es im Monat. «Wir rechneten gar nie damit, dass die Site so gross wird», sagt Fab. «Jetzt haben wir eine eigene Firma und mussten erst lernen, damit umzugehen», ergänzt Sunci. Für ihr Werk wurden sie innerhalb der Community mit etlichen Preisen geehrt.

Das Gegenteil von Zürich

Nicht zu unterschätzen, ist auch die Macht, welche die beiden Frauen haben. «Wir nutzen sie positiv und wollen damit die Community stärken», sagt Fab. «Wir machen auf Missstände aufmerksam und rufen die Leute zum Handeln auf.» Mit einem Mausklick können sie Tausenden Frauen eine Mitteilung schicken. Als 2001 die Walliser Behörden die Lesben- und Schwulenparade in Sion auf Druck der Kirche zuerst nicht bewilligen wollten und die Walliser Zeitungen eine regelrechte Hetzkampagne gegen Lesben und Schwule geführt hatten, rief Shoe eine weltweite Protestaktion ins Leben.

Von der Welt ins Aargauer Dörfchen: Warum verschlug es die beiden gerade nach Oberlunkhofen? «Hier haben wir das absolute Gegenteil von Zürich. Es ist ruhig, hat viele grüne Wiesen und trotz allem genug Anonymität.» Am Anfang sei es nicht leicht gewesen. «Wenn ich um vier Uhr morgens Hunger hatte, war weit und breit kein Kebab-Stand zu sehen», sagt Fab lachend. «Wir kamen von einem Extrem ins andere», sagt Sunci. Zärtlich nennen sie das Dorf auch Lunkilunk und fühlen sich hier sichtlich wohl.

www.shoe.org