Medizin
Schweizer Forscher: Dopingmittel EPO schützt Hirn von Frühgeborenen

Etwa 700 Babys kommen in der Schweiz jährlich zu früh zur Welt. Jetzt haben Genfer Forscher herausgefunden, dass Synthetisches Erythropoietin - bekannt als Dopingmittel EPO - nach der Geburt verabreicht, das Gehirn von Frühgeborenen schützen kann.

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Epo für ein Neugeborenes: Bei Frühgeburten eine Hilfe fürs Hirn.

Epo für ein Neugeborenes: Bei Frühgeburten eine Hilfe fürs Hirn.

Keystone

Etwa 400'000 Babys kommen jedes Jahr in Europa vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt - in der Schweiz sind es rund 700 pro Jahr. Diese extrem früh Geborenen leiden oft an Komplikationen wie Gehirnschäden oder unvollständiger Gehirnreifung - insbesondere der weissen Substanz, die für die Informationsleitung im Nervensystem zuständig ist.

Nun konnte ein Team der Universität und der Universitätsspitäler Genf nachweisen, dass eine Gabe von hochdosiertem EPO in den ersten 42 Stunden nach der Geburt solchen Gehirnschäden vorbeugen kann. Sie belegten dies mit funktionaler Magnetresonanztomographie, die den Blutfluss im Gehirn darstellt.

Weniger GehirnschädenEPO ist ein Hormon, das die Bildung von roten Blutkörperchen anregt. Es wird zur Vorbeugung von Anämie (Blutarmut) eingesetzt - und im Sport zur Leistungssteigerung. Bei Frühchen senkt es den Bedarf für Bluttransfusionen. Dabei zeigte sich auch ein schützender Effekt auf das Gehirn der Babys.

Diesen überprüfte nun das Team um Petra Susan Hüppi bei 165 Frühchen, von denen je die Hälfte drei Dosen EPO oder ein Placebo erhalten hatte. Es zeigte sich, dass die Gehirne von Babys mit EPO deutlich weniger Gehirnschäden aufwiesen als Babys ohne EPO.

"Dies ist das erste Mal, dass der schützende Effekt von EPO auf die Gehirne von Frühgeborenen nachgewiesen werden konnte", sagte Erstautorin Russia Ha-Vinh Leuchter in einer Mitteilung der Uni Genf.

Die Arbeit fand im Rahmen einer grösseren Studie in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich statt, die insgesamt 495 zwischen 2005 und 2012 geborene Frühchen untersucht. Die Mediziner werden nun die Entwicklung der Kinder weiter verfolgen. Sollte sich der Nutzen von EPO dabei bestätigen, sei dies ein wichtiger Schritt zur Vermeidung Gehirnschäden bei Frühgeborenen, erklärte Hüppi.