Schweinegrippe: Impfstoff mutiert zum Staubfänger
Schweinegrippe: Impfstoff mutiert zum Ladenhüter

Der Ansturm auf die Schweinegrippe-Impfung ist vorbei. Ein Grossteil des Impfstoffs gammelt nun in Lagerbeständen vor sich hin. Dies zeigt eine Bestandesaufnahme im Mittelland. Was mit den Vorräten geschieht, steht noch in den Sternen.

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Keystone

Von Franziska Herren

Die Schweiz hat sich mit 13 Millionen Dosen Schweinegrippe-Impfstoff eingedeckt. 84 Millionen Franken hat sie dafür ausgegeben. Drei Millionen Dosen gingen an die Kantone. Da der Ansturm auf die Impflokale bereits abgeklungen ist, gammelt die überschüssige Medizin nun in den Lagerbeständen der Kantone und des Bundes. So auch im Mittelland.

Aargau hat Kontingent nicht ausgeschöpft

«Der Kanton Aargau hat rund 160 000 Dosen Schweinegrippe-Impfstoff erhalten», sagt Balz Bruder, Leiter Kommunikation Departement Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau. Eine Menge, die für gut einen Viertel der Bevölkerung ausreichen würde. «Es ist davon auszugehen, dass noch ein paar Tausend Dosen Impfstoff in Spitälern und Arztpraxen lagern», erklärt Bruder. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt. Der Kanton habe sein Kontingent von 250 000 Dosen beim Bund wegen mangelnder Nachfrage nicht voll ausgeschöpft. Noch werde zwar geimpft. Dies aber mit deutlich geringerer Intensität.

Vorrätiger Impfstoff in Hülle und Fülle

Im Kanton Solothurn bewegt sich momentan die Nachfrage nach Schweinegrippe-Impfungen praktisch auf dem Nullpunkt. «Wir erhalten keine neuen Impfstoff-Bestellungen mehr», sagt der Solothurner Kantonsapotheker Marco Schärer. 100 000 Dosen wurden in den Kanton geliefert. Diese Menge entspricht einer Impfrate von 40 Prozent. Davon lagern gemäss den Aussagen des Kantonsapothekers noch rund die Hälfte in den drei Spitalapotheken von Solothurn, Olten und Dornach.

Da es sich um neue und schwer einzuschätzende Grippenviren handle, habe man sich mit der Impfstoffmenge auf der sicheren Seite bewegen wollen, erklärt Schärer. Und: «Am Anfang rannten uns die Leute die Türen ein», betont Schärer. Doch als man die Türen für jedermann geöffnet habe, sie die Nachfrage schlagartig zusammengebrochen. «Diejenigen, die sich impfen wollten, taten dies bereits am Anfang.»

In einem Kühlcontainer lagert der Kanton Baselland die Impfstoff-Dosen. Und auch er verfügt noch über grosse Vorräte. «Von den 104 000 Dosen sind noch 53 600 vorrätig», sagt Dieter Leutwiler, Kommunikationsleiter des kantonalen Krisenstabs. Der Kanton Baselland ging von 66 000 Risikopatienten mitsamt Angehörigen aus. «Wir vermuteten, dass sich davon ein Drittel impfen lassen würde», erklärt Leutwiler. Die Lagerung des Impfstoffes verursacht zusätzliche Kosten. Der Kanton lagert die Bestände nämlich nicht in Spitälern und Arztpraxen sondern in einen Kühlcontainer. Und dieser musste extra gemietet werden.

Bund setzt Impfstoff ab

Die Kantone behalten den Impfstoff bis zum Ende der Grippesaison im April. Nachher wird der Bund als Eigentümer des Impfstoffes entscheiden, was damit geschehen soll. Vom Bundesbestand sind laut Jean-Louis Zurcher, Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit BAG, 4.5 Millionen Dosen überschüssig. «Diese werden wir entweder ins Ausland verkaufen oder der WHO abgeben», erklärt Zurcher.