Schweinegrippe-Experte: «Behörden reagieren nicht schnell genug»

Noch vor zwei Monaten hielt Beda Stadler die Schreckensszenarien des Bundesamts für Gesundheit (BAG) für übertrieben. Nun spielt auch der Berner Immunologe die Gefahren der Schweinegrippe nicht mehr herunter. Auch er steht hinter der Massnahme, an Zürcher Schulen Klassen zu schliessen. Denn die Pandemie kommt.

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Beda Stadler

Beda Stadler

Keystone

Dania GeniniNoch vor zwei Monaten winkten Sie beim Thema «Schweinegrippe» ab, sagten die Pandemie sei schon vorbei, bevor sie ausgebrochen ist. Wie sehen Sie das heute?
Beda Stadler: Die Zahl der Schweinegrippefälle in Amerika steigt, in Island ist sie hoch, in Frankreich und Deutschland treten immer mehr Fälle auf. Es ist nur logisch, wenn es mit der Schweinegrippe nun auch bei uns losgeht. Es sieht jetzt wirklich so aus, als ob die Pandemie bei uns Fuss fasst.

Was denken Sie passiert jetzt?
Stadler: Ich erwarte, dass das Bundesamt für Gesundheit morgen eine Warnung herausgibt. Die Situation ist zwar noch nicht dramatisch, doch die Warnung sollte raus, bevor es wirklich schlimm wird. Dann werden die Fälle zunehmen und das BAG wird erst entwarnen, wenn die Zahl der Schweinegrippe-Fälle wieder abnimmt.

Was halten Sie von der Massnahme, ganze Schulklassen heimzuschicken, wie es in Zürich der Fall ist?
Stadler: Wenn die Fälle von Schweinegrippe bestätigt sind, ist diese Massnahme nicht übertrieben. Man muss einem Kind keine Grippe zumuten. Auch für die Eltern ist es sicher beruhigender, wenn die Kinder daheim bleiben können. Schliesslich geht es nicht nur um das Virus, sondern um den Gemütszustand der betroffenen Personen.

Reagieren die Behörden schnell genug?
Stadler: Nein. Wenn die Fälle jetzt gehäuft auftreten, muss man die Situation häufiger neu beurteilen als von Woche zu Woche, wie es bis jetzt der Fall war.