Schweinegrippe bedroht Kinderkrippen

Viele Kindertagesstätten (Kita) im Mittelland werden bei akuten Schweinegrippefällen trotz finanziellen Einbussen die Tore schliessen. Der Kanton Aargau wird über eine Schliessung durch die Behörden von Fall zu Fall entscheiden.

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Impulsprogramm für Kinderkrippen

Impulsprogramm für Kinderkrippen

Keystone

Adrian Eng

Wie regieren Kindertagesstätten in der Region auf drohende Schweinegrippefälle? Die a-z.ch/news-Umfrage zeigt: Sollte ein Kind oder eine Betreuungsperson erkranken, sind viele Krippen bereit, den Betrieb vorübergehend einzustellen. Dies, obwohl eine Schliessung der Krippe erheblich ins Geld gehen kann.

Denn wie der Verband Kindertagesstätten der Schweiz (Kitas) seinen Mitgliedern mitteilt, können Elternbeiträge nicht verrechnet werden, wenn die Kita freiwillig schliesst. Zudem muss dabei der Lohn an die Angestellten in dieser Zeit weiterbezahlt werden. Gerade für private Krippen ein erheblicher finanzieller Einschnitt. Eine Schliessung kostet eine Krippe je nach Grösse pro Woche rund 8000 Franken.

Die Kita sind im Dilemma

Für die Leiterin der privaten Kita Lovely Kids in Erlinsbach SO, Irene Stritt-Burgdorfer, ist eine Schliessung im Notfall unumgänglich, würde sie aber finanziell hart treffen. Sie hat wegen diversen Anfragen von besorgten Eltern bereits vor zwei Wochen mit der Vorbereitung auf die Schweinegrippe begonnen. Sie ist dabei Merkblätter auszuarbeiten und ist im Austausch mit den Eltern.

Auch Beatrice Züger, Besitzerin der privaten Kita Wundertüte in Möriken, würde nicht zögern, die den Krippenbetrieb bei einem Schweinegrippefall einzustellen. «Die Gesundheit und Sicherheit der Kinder geht eindeutig vor.» sagt sie auf Anfrage von a-z.ch/news.

Marianne Müller, Leiterin der Kinderkrippe Rägeboge in Entfelden, würde bei einer Erkrankung wohl ebenfalls schliessen. Sie hat bereits begonnen, Eltern und Angehörige auf die anstehende Grippewelle zu sensibilisieren. Zudem steht sie im ständigen Austausch mit anderen Krippen. Für Müller sind die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) vorgeschlagenen Hygienemassnahmen ein entscheidender Faktor, dass es nicht zur einer Ansteckung kommt.

Einen Pandemieplan erstellt in den nächsten Tagen die Kita Seetal in Seon. Eine Schliessung der Kita im Falle einer Schweinegrippeerkrankung eines Kindes oder einer Betreuungsperson kommt nach Angaben der Krippenleiterin Daniela Baumann in Frage. Man werde von Fall zu Fall im Gespräch mit dem Vorstand entscheiden. Mit finanziellen Einbussen rechnet man auch hier.

Der Kanton Aargau hat keinen konkreten Plan

Das Departement Gesundheit und Soziales beobachtet derweil die Situation. Da im Aargau aber noch kein Fall von Schweinegrippe in einer Krippe vorgekommen ist, fehlt es diesbezüglich an Erfahrungen. Die Schliessung einer Kita, wie dies Ende Juli im Tessin passiert ist (a-z.ch/news berichtete), schliesst Balz Bruder, Leiter Kommunikation des DGS, auf Anfrage von a-z.ch/news grundsätzlich nicht aus. Obwohl Kindertagesstätten häufig private Institutionen sind, kann der Kanton bei Bedarf eingreifen. Dies werde aber immer im Dialog mit der jeweiligen Kita geschehen. Um die Verbreitung der Grippe zu bekämpfen, sei es auf jeden Fall sinnvoll, wenn sich auch Kindertagesstätten an die Empfehlungen des Kantons hielten, so Bruder weiter.

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