Wollschweine pflügen Boden für Christbäume
Schweine pflegen Bäume

Schweinestärken statt schwere Maschinen: Beim Allschwiler Forsthaus Kirschner weiden Wollschweine und bereiten den Boden für junge Christbäume vor.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Regula Vogt-Kohler

Sie haben ganze Arbeit geleistet, die fünf Wollschweine, die seit ein paar Wochen in einer fast leer geernteten Christbaumanlage im Einsatz sind: Unermüdlich wühlend haben sie den Boden umgegraben und gelockert. Selbst Wurzelstöcke sind für sie kein Problem, die Bäume hingegen lassen sie in Ruhe.

Wetterfest und stressresistent

Das Wollschwein stammt aus dem alten Österreich-Ungarn, wo es aus jugoslawischen und ungarischen Landschweinrassen gezüchtet worden ist. Wegen seiner hervorragenden Speckqualität und einem guten Fettansatz verbreitete es sich rasch in ganz Europa. Die Tiere sind robust, widerstandsfähig und kennen keine Stresszustände. Trotz dieser positiven Eigenschaften hatte das Wollschwein gegen die bis heute dominierenden englischen Edelschweinrassen keine Chance, da es für die lntensivhaltung nicht geeignet ist. In der Schweiz koordinieren die Vereinigung für die Wollschweinzucht und die Stiftung Pro Specie Rara die Zucht. www.wollschwein.ch

Wollschweine sind bewegungsfreudig

Wie kommen ein 34-jähriger Metallbauschlosser und eine 27-jährige Kurierfahrerin zu einer Wollschweineherde? Sie hätten immer schon Tiere halten wollen, erzählen die beiden. Nach Prüfung verschiedener Varianten blieben Ziegen und Wollschweine übrig. Weil Ziegen ein Winterquartier brauchen, fiel die Wahl auf die wetterfesten Wollschweine. Im Mai 2008 starteten Fabian Vogt und Andrea Jäggi mit vier Tieren, im April 2009 gab es erstmals Nachwuchs.
Die robusten Borstentiere brauchen zwar keinen Stall, dennoch ist der Aufwand, den das Allschwiler Paar neben einer Vollzeitberufstätigkeit leistet, intensiv.

Zweimal täglich gibt es Futter. Auf dem Speisezettel stehen Zuckerrüben, Topinambur (Süsskartoffeln) und Biogetreide. Dazu kommen saisonale Früchte wie Äpfel, Birnen und Nüsse. Die frostresistenten Topinambur dürfen die Tiere gleich selber ausbuddeln. Zum Trinken und Suhlen benötigen die Schweine eine ständige Versorgung mit Wasser. Der Zaun muss elektrisch gesichert sein. Der Platzbedarf der dem Sprichwort zum Trotz bewegungsfreudigen Tieren ist gross, und weil der Grat zwischen Nutzen und Schaden schmal ist, ist immer wieder Weidewechsel angesagt.

«Das Endprodukt ist ein super Fleisch», hält Fabian Vogt stolz fest. «Man merkt, dass es gewachsen ist», sagt Andrea Jäggi. Wollschweine wachsen nur halb so schnell wie Edelschweine. Ihr Fleisch ist wie das von Wildschweinen rötlich gefärbt und von kräftigem Geschmack. «Wir haben über Weihnachten kein Stück Fleisch gekauft», berichtet Fabian Vogt. Was sie nicht selber verzehren, verkaufen sie über private Kanäle.

Wer die beiden im Umgang mit ihren Tieren erlebt, spürt, dass es um mehr als ein gutes Stück Fleisch auf dem Teller geht. «Von diesen Tieren hat man auch etwas, sie suchen den Kontakt», sagt Fabian Vogt.

Er ist mit Nutztieren aufgewachsen, bis 1994 hielt sein Grossvater auf dem Allschwiler Arishof noch Kühe. Schweine sind sozial, intelligent, neugierig, auch im Umgang mit Menschen. Besonders angetan haben es ihnen Schuhbändel, wie die Reporterin erlebt. «Was nicht mit besonders grossen Schrauben niet- und nagelfest befestigt ist, nehmen sie auseinander, und sie finden heraus, wie sie das bewerkstelligen können», erzählt Andrea Jäggi.