Schwedischer Brauch im Limmattal

Ein alter Brauch aus Schweden in Unterengstringen: Seit sechs Jahren werden die Christbäume aus dem Dorf gesammelt und auf den Bürgerplatz gebracht. Bei feierlicher Stimmung, Glühwein und Alphornklängen werden sie verbrannt.

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Christbaum

Christbaum

Limmattaler Zeitung

David Hunziker

Ein lautes Knistern liegt in der Luft. Das Feuer kämpft noch gegen die Reste von Schnee, die auf den Zweigen der Christbäume liegen. Ein Christbaum nach dem anderen landet im Feuer - so lässt man in Unterengstringen einem alten Brauch folgend die Weihnachtszeit ausklingen. Aus dem hohen Norden stamme dieser Brauch, sagt Peter Rieser, der lokale Förster. «Die Leute in Schweden werfen ihre Bäume nach Weihnachten aus dem Fenster in den Hof, wo sie dann gesammelt und gemeinsam verbrannt werden», erzählt er.

Zum sechsten Mal hat der Elternverein Unterengstringen das winterliche Ritual nun organisiert. Claudia Haderer war dieses Jahr bei der Organisation federführend und hat zum ersten Mal eine musikalische Unterstützung engagiert: zwei Alphornbläser des Jodelklubs Schlieren, die den traditionellen Teil des Anlasses unterstreichen. «Mit diesem Ritual lassen wir zusammen die Weihnachtszeit ausklingen», führt sie die Idee hinter dem kleinen Waldfest aus.

Doch im Tageslicht versammelt sich die kleine Gruppe bei der Alten Bertha, verlädt die ausgedienten Christbäume auf den Anhänger von Förster Riesers Wagen und macht sich in Richtung Wald auf den Weg. In der Gruppe sind viele Kinder. Auch ihnen zuliebe wird der Brauch praktiziert. Marianne Albers hat ihren Sohn Fabian mitgebracht, um den diesjährigen Christbaum zum ersten Mal auf eine neue Art zu beseitigen. «Christbaum und Schmuck gehören einfach zu Weihnachten. Die Verbrennung finde ich eine gute Idee, die ich noch nirgends sonst gesehen habe», sagt sie.

«Es hat bei einer Versammlung des Vorstandes des Elternvereins angefangen, bei der wir unsere Christbäume im Garten verbrannt haben», erklärt Ricardo Zimmermann, der früher Präsident des Elternvereins und dreimal für die Organisation des Anlasses zuständig war. Der Aussenkamin sei jedoch an seine Grenzen gestossen und so wurde die Verbrennung auf den für Unterengstringen traditionsreichen Bürgerplatz verlegt.

Maria und Paul Laube stehen um eines der kleinen Feuer, über dem ein Topf mit Punsch kocht. «In Spanien, wo wir die meiste Zeit leben, wird Weihnachten eher weniger gefeiert», erzählt er. Darum kämen sie jeweils in die Schweiz, um mit Verwandten zu feiern. Ihre Tochter und ein Enkel sind ebenfalls auf dem Bürgerplatz. Die Luft ist eisig kalt, es fällt sogar etwas Schnee - doch bevor sie eine Fackel auf den Heimweg erhalten, verharren die Besucher, trinken Glühwein und essen die gebratenen Würste. Der Wald vermittelt eine winterliche Romantik.

Auch die beiden Alphornbläser haben sich mit einer Wurst versorgt und blicken ins Feuer. Albert Schüpbach und Paul Dill spielen auf verschiedensten Veranstaltungen, sie waren auch schon im «Baur au Lac» zum Spielen zu Gast. «Es ist schön, dass die jungen Leute solche Bräuche noch bewahren und praktizieren», meint Dill, und Schüpbach nimmt noch einen Schluck Glühwein, bevor die beiden ihre Alphörner wieder in Position bringen und den Wald mit ihren urchigen Klängen erfüllen.