Fussball
Schwarz und Weiss im Spiel vereint

Obwohl Südafrika während der Apartheid von der Fifa ausgeschlossen wurde, hatte der Fussball für das Land stets grosse Bedeutung. Eine gemeinsame Ausstellung in Kapstadt und Basel widmet sich ab Januar 2010 dem spannenden Feld zwischen Sport und politischem Widerstand.

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Rassool

Rassool

bz Basellandschaftliche Zeitung

Tara Hill

Südafrikanischer Fussball in Basel

Bereits seit vielen Jahren existiert ein reger Austausch zwischen den Universitäten von Kapstadt und Basel sowie zwischen dem District Six Museum und den Basler Afrika Bibliographien (BAB). Im Januar wird diese nun nochmals intensiviert: Ein Ausschnitt aus der Ausstellung «Fields of Play - Fussball in Kapstadt» wird nämlich vom 21. Januar bis 11. Juli 2010, also bis zum Ende der Fussball-Weltmeisterschaft, auch in Basel zu sehen sein. Die Carl-Schlettwein-Stiftung, Trägerin der BAB, will dabei gemeinsam mit dem Historischen Seminar der Universität Basel darauf aufmerksam machen, dass die Fussball-WM in Südafrika auch das Erbe eines langen Widerstandes gegen die Apartheid bildet. Neben der eigentlichen Ausstellung in den Räumlichkeiten am Klosterberg 23 wird bis zum WM-Final im Gare Du Nord eine «Satellitenausstellung» mit grossformatigen Photographien und Bildern der südafrikanischen Fussballgeschichte zu sehen sein. Ausserdem finden zusätzlich zu diesem ungewöhnlichen Ausstellungsprojekt eine Reihe von Begleitveranstaltungen statt, die sich an ein breites, fussballinteressiertes Publikum richten. (TAH)

Es ist eines von vielen düsteren Kapiteln der südafrikanischen Geschichte: Um die Abwanderung der weissen Oberschicht in die Vororte zu stoppen, wurde der «District Six», ein verarmtes Viertel in Kapstadts Innerstadt, 1966 zur «Whites-Only»-Zone ausgerufen. Die 60 000 Bewohner, zumeist farbige muslimische Immigranten, wurden in triste Townships am Rande der Stadt zwangsumgesiedelt, ihre Häuser kurzerhand mit Bulldozern platt gemacht. Unter den Vertriebenen befand sich auch die Familie von Ciraj Rassool. Heute ist Rassool Geschichtsprofessor an der University of the Western Cape und Mitbegründer des renommierten District Six Museums, das seit dem Ende der Apartheid auf die bewegte Geschichte des Viertels aufmerksam macht und dabei einen wichtigen Beitrag zu einem neuen Verständnis der südafrikanischen Geschichte leistet.

Kapstadt im Rampenlicht

Mit der Fussball-WM 2010 gerät Kapstadt nun plötzlich weltweit ins Rampenlicht: So wird nächsten Sommer im neuen, 70 000 Besucher fassenden «Green Point»-Stadion inmitten der Innenstadt ein WM-Halbfinal stattfinden. Eine Entwicklung, in die Rassool grosse Hoffnungen setzt: «Einerseits erachte ich es als positiv, dass der Fussball in Kapstadts Innerstadt zurückkehrt - denn Fussball ist in Südafrika traditionell ein ‹schwarzer› Sport. So werden viele Schwarze nun wieder in den Bezirken ein- und ausgehen können, aus denen sie einst vertrieben wurden. Ich hoffe, dass dies zu nachhaltigen gesellschaftlichen Veränderungen führt», erklärt der Historiker: «Andererseits scheint es mir sehr wichtig, auf die Geschichte des südafrikanischen Fussballs aufmerksam zu machen. Fussball ist durch seine immense Popularität ein wichtiges Mittel, um die südafrikanische Gesellschaft zu verstehen, und eine grosse Chance für die Suche nach einer neuen Menschlichkeit jenseits der Rassentrennung.»

Vereint und getrennt

Aus diesem Grund hat das District Six Museum die Geschichte des südafrikanischen Fussballs nun minutiös aufgearbeitet. In der gross angelegten Ausstellung, die auch in Basel zu sehen ist (siehe Box), wird gezeigt, wie Fussball die weissen Besatzer und schwarzen Bewohner des District Six beim gemeinsam Spiel auf der Strasse sowohl vereinte, aber durch die zunehmende Segregation auch wieder trennte.

So wurden während der Apartheid zwei unterschiedliche Fussballligen geschaffen: Eine gut ausgerüstete Liga für die Weissen, und eine Liga für alle Nichtweissen, die auf schlecht beackerten Plätzen spielen musste. «Dabei nahm die Frage, was es bedeutet, Fussballfan zu sein, eine ganz neue Bedeutung an: Fussball wurde zu einem Feld des politischen Kampfes.»

Heute hofft Rassool hingegen auf die vereinigende Kraft des Fussballs - wenn Südafrikaner aller Hautfarben gemeinsam ihrem Team zujubeln. «Leider war ich selbst ein sehr durchschnittlicher Fussballer», erinnert sich Rassool schmunzelnd: «Umso schöner ist es für mich, die Geschichte unseres Fussballs aufzuarbeiten und dabei meine Arbeit als Historiker mit meiner eigenen Fussballbegeisterung verbinden zu können.»

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