Warteck
Schwanengesang auf Bahnhofsrelikte

Das «Alte Warteck» und der Kopfbau der Halle 1 sind ein Stück Basler Bahnhofgeschichte – der Abriss steht bevor.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Von Franz Osswald

«Vom Abbruch bedroht: Messebau 1 und Altes Warteck». So lautete der Titel einer Führung der Freiwilligen Denkmalpflege mit Thomas Lutz. Man hätte deshalb fast meinen können, es gehe da noch um einen Rettungsversuch, doch Thomas Lutz sagte gleich zu Beginn, dass es sich wohl um eine Dernière handeln würde - wegen des Messeneubaus und der Baupläne von Warteck-Invest am Messeplatz.

So verschwindet denn mit dem Kopfbau der ehemaligen Halle 1 der letzte Zeuge jenes Bahnhofgebäudes, das sich an dieser Stelle einst befand. Die Entwicklung der Messe Basel und der Hallenanlage ist nämlich eng mit der Bahnentwicklung in Basel verbunden. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand auf dem Gebiet der heutigen Messe ein Bahnhofkomplex mit einem repräsentativen Empfangsgebäude (1862). Dort, wo sich heute die Halle eins erstreckt, befanden sich die Gleise und die Bahnhofshalle.

Ein langes Leben war diesem Bahnstandort indessen nicht vergönnt. Eigentlich wollte man einen Bahnhof ausserhalb der Stadt, die neu angelegten Clarastrasse und Riehenring (damals Bahnhofstrasse) führten aber zu einer raschen Erweiterung des Kleinbasels. So wurde bereits 1913 der neue Badische Bahnhof am heutigen Standort eröffnet. Doch statt eines Wohngebietes, wie dies vorgesehen war, kam am alten Ort die Messe Basel zu stehen.

Eckbau als Warteraum

Wie eine Theaterkulisse wurde das Empfangsgebäude für die Zwecke der Messe genutzt, die Hallen erstreckten sich in Reih und Glied dahinter. 1923 kam es zum «Kulissenbrand», wie Thomas Lutz es nannte. An deren Stelle wurde der bis zum heutigen Tag bestehende Kopfbau errichtet, dem selbst der Neubau der Halle 1 nichts anhaben konnte. Der Kopfbau besteche durch eine klare, einfache Geometrie und Formansprache, insbesondere auch bei der Fensteranordnung und der Gestaltung.

Im Innern des Kopfbaus wurde der Saaltrakt erweitert, indem die Lichthöfe einbezogen wurden. Die Treppenhäuser mit ihren edlen Materialien zeugen noch vom einstigen Glanz, ansonsten hinterlässt das Interieur einen tristen Eindruck. Weil mit dem Musical-Theater und der Erlenmatt eine Weiterentwicklung der Messe Richtung Autobahn nicht möglich sei, werde der Kopfbau einem Passerellenbau weichen müssen, so Thomas Lutz.

Dem Messebau gegenüber liegt eine Häuserzeile, die ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts entstand. Der Eckbau wurde zu Bahnhofszeiten als Wartezone genutzt: Warteck. Im Gebäude selbst befand sich die Brauerei, die von Emmanuel Merian geführt wurde. Bereits Ende der 1880er Jahre zog die Brauerei an den Burgweg, wo heute noch das Siedhaus steht. Schützenswert aus Sicht der Freiwilligen Denkmalpflege ist am Alten Warteck die Inneneinrichtung des Parterres. In der Häuserzeile nebst den Fassaden zudem das Interieur des Hauses «Wurzengraben».
Beim Haus «Altes Warteck» weisen, so Lutz, Details auf Amadeus Merian als Baumeister hin, der beim Merian-Spitz oder dem Hotel «Les trois Rois» seine architektonische Handschrift hinterlassen hat.