Landschaftsentwicklungsprogramm in Lenzburg

Schutz, Nutzung und Pflege im Einklang

Eingeschleppte Neophyten wie das Drüsige Springkraut verdrängen einheimische Pflanzen.

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Eingeschleppte Neophyten wie das Drüsige Springkraut verdrängen einheimische Pflanzen.

15 000 Obstbäume gab es 1951 in Lenzburg; heute sind es noch 470 Hochstämmer: ein Beispiel für die Landschaftsveränderung. Sie schreitet immer schneller voran, doch wird man des Wandels wenig gewahr.

Heiner Halder

Das Landschaftsentwicklungsprogramm (LEP) gibt Gegensteuer. Seit fünf Jahren setzt die Natur- und Heimatschutzkommission mit Fachleuten das Projekt in die Praxis um. Am Lenzburger Umgang am Samstag wurden Ortsbürgern und Einwohnern die Auswirkungen vor Ort von Beteiligten und Betroffenen präsentiert.

Der Kommission unter Leitung von Hans Peter Müller kommt das Verdienst zu, die unterschiedlichen Interessen und Anliegen von Landschaftsnutzern unter einen Hut gebracht zu haben. Er registriert «überdurchschnittlich gute Zusammenarbeit» und bezeichnet das Lenzburger LEP gar als im Aargau beispielhaft. Viktor Condrau, für die Umsetzung verantwortlich, zählt die Projekte auf: Renaturierung Aabach mit Auenwäldchen, Anlage von Trocken- und Feuchtbiotopen, Amphibien-Vernetzung, Hochstammobst-Förderung, ökologische Ausgleichsflächen der Landwirtschaft und Naturschutz im Wald, im Kanton noch keineswegs selbstverständlich.

Betroffene berichten

Landwirt Turi Häusler bewirtschaftet an der Bannhalde mit Mutterkühen und Muni extensive Weiden am GofiHang, artenreiche Blumenwiesen und Buntbrachen und lässt neben jungen Obstbäumen auch mal einen abgestorbenen stehen: Totholz bietet gefiederten Freunden Obdach und Nahrung. Brigitte Vogel hat vor sechs Jahren den verlotterten «Bürgihof» übernommen und saniert. Bei ihr weiden 14 Schottische Hochlandrinder, Geissen und Esel. Sie pflanzt Hecken für Kleintiere wie Feldhasen. Und Werner Kieser hat auf seinem Bühlhof Quellen und Weiher, Lebensraum für Amphibien. Die Landwirte machen freiwillig mit, erfüllen Verträge und werden entschädigt. 4500 Franken lässt sich die Stadt das LEP kosten, Kanton und Bund subventionieren den Grossteil, betonte Vizeammann Jakob Salm.

An der Bannhalde hat Obstbaumspezialist Fritz Walti von Dürrenäsch mit Freiwilligen Hochstämme mit alten Obstsorten gepflanzt. Naturschutz bedeutet aber nicht nur ergänzen, sondern auch reduzieren: Die eingeschleppten Neophyten machen Sorgen, hier vor allem das Drüsige Springkraut, zunehmend das Berufskraut, Sommerflieder, Goldruten und Japanischer Knöterich zeigte Martin Bolliger vom Naturama auf.

Weit fortgeschritten ist in der Region der Amphibienschutz. Durch die Anlage von Fahrspuren, Pfützen, Tümpeln und Weihern wird die Landschaft für die Lurche vernetzt, das rettet sie vor dem Aussterben. Esther Krummenacher erläuterte ihr Projekt am Beispiel Cheibegarte am Waldrand. Stadtoberförster Frank Haemmerli wies darauf hin, dass Naturschutz intensive Pflege bedeutet, eine Aufgabe der Forstdienste Lenzia. Der traditionelle Imbiss bei Wurst und Wein wurde im alten Forstwerkhof genossen. Das war wohl der letzte Anlass vor dem Abbruch des Gebäudes.

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