Schummerlicht und Liebestrunk

In Laufenburg faszinierten die mittelalterlichen Singspiele mit «Tantris und Isot» im ehrwürdigen Rathaus

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Aargauer Zeitung

Ingrid Arndt

Das schöne alte Gemäuer im Bürgersaal des Laufenburger Rathauses, eine Bühne im Schummerlicht, Kerzenschein, mittelalterliche Kulissen, mitreissend rhythmische Klänge und Gesänge aus längst vergangener Zeit gaben die wunderbar fantasievolle Atmosphäre für das Minnesingspiel «Tantris und Isot» nach Gottfried von Strassburg, in Noten gesetzt von Roland Kroell. Kroell gab den Originaltexten auf Mittelhochdeutsch eine liedhafte Gestaltung, angelehnt an das Keltische und an Brecht-Songs.

Klaus Millmeier als Erzähler, Claudia Ailyn Libior am Monochard und Roland Kroell als Minnesänger entführten ihr Publikum in das 13. Jahrhundert, eine Epoche, in der die heidnischen und freichristlichen Strömungen durch die Kirche stark beschnitten wurden. Freie Liebe ohne Konventionen konnte nicht mehr gelebt werden, trickreich erfanden die Adligen deshalb Auswege, wie im Minnespiel «Tantris und Isot».

Abenteuerliches Leben am Königshof

Tristans (Tantris) Eltern, Riwalin, König von Parmenien (heutige Bretagne) und Blancheflur, Prinzessin von Cornwall, sterben früh. Dennoch erhält er eine fürstliche Erziehung. Mit 14 Jahren wird er von norwegischen Seefahrern entführt, ein abenteuerliches Leben beginnt. Er kommt an den Hof von König Marke in Cornwall, besteht siegreich viele heldenhafte Kämpfe und Prüfungen, befreit seine Heimat Parmenien von der Fremdherrschaft des bösen Ritters Morold, wird dabei jedoch tödlich verwundet.

Helfen kann ihm nur Isolde, Königin von Irland, aber auch Schwester des getöteten Ritters Morold. Mit seinem kleinen Boot setzt Tristan über nach Dublin, gibt sich als Tantris aus. Isolde und ihre Tochter Isot sind sehr angetan von diesem schmucken unbekannten Jüngling. Er wird geheilt. Nach Jahren kommt er, dann schweren Herzens, als Brautwerber seines Königs zu ihnen zurück.

Mit geheimnisvoller Stimme

Seine Liebe zu Prinzessin Isot ist längst entbrannt. Auf der Überfahrt nach Cornwall kommen sich beide mit- hilfe eines Liebestrunkes nahe und finden trotz Heirat von Isot mit König Marke einen Weg, ihre heisse Liebe weiterleben zu können. Erzähler Klaus Millmeier führte die Zuhörer mit märchenhaft geheimnisvoller Stimme durch diese Geschichte.

Roland Kroell gab mit seinem herrlichen Spiel auf den unterschiedlichen Instrumenten wie zum Beispiel Bouzouki, keltischen Trommeln, Dulcimer sowie seinem sonoren Gesang einen imposanten, schier unvergesslichen musikalischen Rahmen.

Besonders das innig hingebungsvolle Zusammenspiel der Laute mit den meditativen Klangschalen, der japanischen Koto, dem Monochard sowie den perlend zarten Klängen der Glasharfe von Claudia Ailyn Libior begeisterte, der Wechsel von Kroells wilder Gitarre, untermalt mit Libiors mystischer «Regenmacher» war ein unwiderstehlicher Genuss.

Die Darsteller steigerten sich von Szene zu Szene, Akteure und Publikum bildeten am Ende eine faszinierende Einheit. Gemeinsam liess man sich dann in den Pausen mittelalterliche Suppe und Minnetrunk schmecken, beim Spaziergang durch das nächtliche Laufenburg waren letztlich alle verzaubert vom Liebestrank. Und alle genossen natürlich die Altstadt-Atmosphäre in dieser doch schon frischen Früh-herbstnacht.