Schulpflege

Schulpflege-Knatsch bewegt die Gemüter

Die Ereignisse in der Schulpflege Schinznach-Dorf haben einigen Staub aufgewirbelt und auch Reaktionen ausgelöst. Mehrmals wurden Überlegungen grundsätzlicher Art geäussert, die wir der Leserschaft nicht vorenthalten wollen. Auf einige Punkte gehen wir in der Folge kurz ein.

Leitartikel von Peter Belart


«Musste das sein?»

Ja, ist der Rücktritt zweier Behördenmitglieder tatsächlich derart dicke Schlagzeilen wert? Wird hier aus einer Maus ein Elefant gemacht? Man kann diese Frage sicher unterschiedlich beantworten. Wir meinen, dass die vorliegende Situation schon sehr ungewöhnlich ist und nicht vergleichbar mit einem «gewöhnlichen» Rücktritt. Ausserdem ist die Gerüchteküche längst am Brodeln, und so wollten wir die Dinge ansprechen, das Problem auf den Tisch legen. Wir sind der Ansicht, dass eine Diskussion dem Verschweigen offensichtlicher Differenzen vorzuziehen ist, selbst dann, wenn nicht alle Hintergründe aufgerollt werden können. Es geht keinesfalls darum, die eine oder andere Seite «in die Pfanne zu hauen», sondern um eine möglichst sachliche Darstellung der Situation.

«Ich habe die Nachrichten über die Schulpflege Schinznach-Dorf konzentriert gelesen, aber ich weiss nach wie vor nicht so recht, was nun Sache ist.»

Diese Aussage ist nachvollziehbar. Die Direktbetroffenen liessen im Gespräch mit der AZ zwar erkennen, wo genau die Differenzen liegen, die eine konstruktive Teamarbeit zumindest beeinträchtigen, wenn nicht gar verunmöglichen. Aus verschiedenen Gründen haben wir darauf verzichtet, hier belastende Details aufzuzählen. Zunächst beurteilen die beiden Parteien die Dinge naturgemäss sehr unterschiedlich. Die Wahrnehmung ist offensichtlich durch die eigene Betroffenheit geprägt. Als Aussenstehende ist nicht zu erkennen, welches denn nun die Tatsachen sind. Und vielleicht gibt es in gewissen Dingen ja auch nicht die eine und einzige Wahrheit, sondern es geht um Sichtweisen, Beurteilungen und auch um Empfindlichkeiten. Zweitens haben sich aber sowohl Aeberhard und Rosta als auch Probst Diskretion ausbedungen. Alle wollen vermeiden, dass die Situation in eine Schlammschlacht oder gar in ein Rechtsverfahren ausartet. Und dies ist doch eine gute Nachricht, die es zu respektieren gilt, auch wenn damit die wirklich klaren Worte zuhanden der Öffentlichkeit fehlen.

«Der Mann ist gewählt.»

Ein bedenkenswerter Einwand. Tatsache ist: Sowohl René Probst, Gabriela Portmann und Christian Widauer als auch Marlyse Aeberhard und Davide Rosta sind im letzten Herbst in die Schulpflege Schinznach-Dorf gewählt worden. Probst und Rosta sind schon länger dabei, Aeberhard seit zwei Jahren, Portmann und Widauer sind neu. Tatsache ist ferner: René Probst wurde von einer Mehrheit der Schulpflege-Mitglieder anlässlich der konstituierenden Sitzung - sie stand unter der Leitung von Schinznach-Dorfs Vizeammann Urs Leuthard, Ressortleiter «Schule» - in korrekter Weise als Präsident gewählt. Und Tatsache ist ferner, dass dieser Wahl engagierte Diskussionen vorangingen, die jedoch intern bleiben sollen und nicht an die Öffentlichkeit gehören. Fazit: Die Wahlen sind demokratisch zustande gekommen. Es ist nachvollziehbar, dass sich einige Menschen über das Demokratieverständnis der beiden Zurücktretenden wundern.

«Ein Mann in seinem Alter sollte dieses Amt doch nicht mehr übernehmen.»

René Probst, der gewählte Schulpflege-Präsident, hat Jahrgang 1932. Es ist tatsächlich ungewöhnlich, dass ein Mann seines Alters in einer Behörde Einsitz nimmt und sie erst noch präsidiert. Anderseits ist nicht einzusehen, weshalb er aufgrund seines Geburtsjahres dazu nicht in der Lage sein sollte. Tatsache ist: In der laufenden Diskussion und in gelegentlich geäusserten Vorbehalten gegenüber der Politik und gegenüber den Überzeugungen von Probst ist und war sein Alter kein Thema. Auch Aeberhard und Rosta bezogen sich in ihren Äusserungen nicht auf Probsts Alter. Im Übrigen ist eine ganze Reihe von Persönlichkeiten bekannt, die auch auf einer viel grösseren Bühne bis in ein sehr hohes Alter Herausragendes geleistet haben.

«Ich könnte Ihnen vieles erzählen, aber ...»

Im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Turbulenzen, aber auch schon bei früheren Gelegenheiten traten zu verschiedenen Malen Personen an die AZ heran, die zu diesem oder jenem Mitglied der Schulpflege Schinznach-Dorf gewisse Vorbehalte anmeldeten. Das ist gewiss kein ungewöhnlicher Vorgang; Personen, die sich öffentlich engagieren, lösen durch ihr Tun und Lassen Reaktionen aus. Nur: Klatschgeschichten, Bagatellen, punktuelle Ereignisse oder verleumderische Aussagen sind nicht immer ganz leicht zu trennen von Fakten, die von allgemeinerer Bedeutung sind. Trotzdem fällt auf, dass sich niemand öffentlich und namentlich exponieren will. Man ist zwar bereit zu erzählen, aber nur unter vier Augen. Das mag in vielen Fällen gut sein, anderseits wären wohl alle Direktbetroffenen manchmal froh, wenn Klartext geredet würde. Damit Missstände konstruktiv angegangen werden können, müssen sie bekannt sein.

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