Schüler sind die besseren Lehrer

Schüler führen Senioren in die Welt des Computers ein: Die Idee ist gut – und sie klappt. Daher soll es auch nächstes Jahr in Solothurn Compi-Sternli-Kurse geben.

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Solothurner Zeitung

Regula Bättig

«Hallo, ich bin dein Compi-Sternli», dieser Satz war diesen Frühling im Schulhaus Brühl oft zu hören. Nicht ohne Grund: 20 Senioren liessen sich dort in zwei Kursen von Schülern - oder eben Compi-Sternlis - in die Geheimnisse von Internet, Textverarbeitung und E-Mail einweihen. In Exklusivbetreuung, jeweils ein Compi-Sternli pro Senior. Über mangelndes Interesse am Projekt kann sich Projektleiter Remo Jäggi nicht beklagen: «Wir wagten gar nicht mehr, Werbung zu machen», sagt er. «Sogar aus Pfäffikon im Kanton Schwyz hat sich eine Dame angemeldet.» Die Teilnehmerzahl kurzfristig aufstocken, das lag jedoch nicht drin: Schliesslich waren die Kinder 30 Stunden lang auf ihre Aufgabe vorbereitet worden.

Jene Senioren, die keinen Platz mehr fanden, erhalten nun aber weitere Chance(n). Denn nach dem Testlauf ist klar: Die Kurse werden weitergeführt, längerfristig ist sogar ein Ausbau geplant. Das alles aber ohne Jäggi. Der Aufwand sei nicht zu unterschätzen, stellt er fest, zeitlich liege das nicht mehr drin. «Und doch bin ich traurig, diese Aufgabe abzugeben.»

Schöne und weniger schöne Seiten

Das Projekt bietet nämlich weitaus mehr, als individuellen, auf die Vorkenntnisse und Bedürfnisse abgestimmten Computerunterricht. Schliesslich treffen in den Kursen zwei Generationen aufeinander. Man erlebe dabei die schönen Seiten beider Altersstufen, sagt Jäggi. Die Ungezwungenheit der Kinder beispielsweise. Oder Senioren, die ihren jungen Lehrern einen Einblick in das Leben früher bieten. Allerdings auch die weniger schönen: Schlaganfälle oder Einweisungen ins Altersheim auf der einen; beim Spielen mit Freunden vergessene Lektionen auf der anderen Seite.

Im Rückblick überwiege jedoch ganz klar das Positive. «Die Kursteilnehmer sind allesamt sehr begeistert», sagt Jäggi. «Dabei hatte ich vor dem Start noch gewisse Bedenken.» Vor seinem inneren Auge habe er bereits das Bild gelangweilter Senioren und überforderter Kinder gesehen.

Doch weder das eine noch das andere traf ein: Für die Kurse hätten sich nur echte Anfänger angemeldet. «Und für eine ungewohnte Hand kann schon das Führen der Maus zu einer Herausforderung werden.» Eine Herausforderung für beide Seiten: Wurde in solchen Momenten doch einiges an Geduld vom betreffenden Compi-Sternli verlangt. Die ungewohnte Situation, für einmal selber als Lehrer zu agieren, hätten aber alle gut gemeistert. «Die Kinder haben sich so richtig reingegeben», sagt Jäggi. «Selbst Hausaufgaben wurden erteilt.»

Weniger Angst vor Versagen

Dass die Kinder selber kaum mehr von Computern und Textverarbeitung wissen als ihre Schüler, beurteilt Jäggi nicht als Nach-, sondern vielmehr als grossen Vorteil. «Dadurch lastet auf den Kursteilnehmern viel weniger Druck als bei herkömmlichen Computerkursen.» Wenn Kinder als Lehrer fungieren, sinkt scheinbar auch die Angst, sich auf das ungewohnte Terrain zu wagen. «Wir hatten etliche Anfragen von Leuten, die sich nicht in einen herkömmlichen Kurs getraut hätten.» Nebst der Befürchtung, überfordert zu sein, spiele dabei oft die Angst vor einem Gesichtsverlust mit. «Vor allem bei Personen, die in ihrem früheren Arbeitsleben leitende Stellungen innehatten. Die genieren sich oft, dass sie den Einstieg in die neue Technik noch nicht geschafft haben.»

Umso eifriger wird das neu Gelernte genutzt, weiss Jäggi: «Einer der Senioren plant einen Umbau und hat sich nun bereits online über verschiedene Treppengeländer informiert.» Trotz der vielen Vorteile: Compi-Sternli-Kurse für Fortgeschrittene wird es so schnell nicht geben, glaubt Jäggi. «Nicht mit Primarschülern, die stossen an ihre Grenzen - rein von ihrem Wissensstand her.» Wohl aber Kinder, die Senioren den Umgang mit Handys erklären. Fixe Termine dafür gebe es aber noch nicht.

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