Gontenschwil

Schüeli hat endlich eine sichere Zukunft

Sie kaufen das Schüeli: Der Vorstand des neuen Vereins mit Rosemarie Stucki (vorne links). (ju)

Schüeli Gontenschwil

Sie kaufen das Schüeli: Der Vorstand des neuen Vereins mit Rosemarie Stucki (vorne links). (ju)

Die Eigentümerin Rosemarie Stucki könnte das Schüeli problemlos an einen Privaten verkaufen, da seit Mai keine Auflagen mehr dafür gelten. Das will sie aber nicht. Ein Verein kauft nun das Einzimmerschulhaus in Gontenschwil, das die Gemeinde nicht zurückhaben wollte.

Irena Jurinak

Das Schicksal des geschichtsträchtigen Einzimmerschulhauses in Gontenschwil ist endlich geklärt. Ein neuer Verein kauft es der bisherigen Besitzerin Rosemarie Stucki ab.

Fast ein Jahr ist es her, seit die Gemeindeversammlung ganz knapp den Rückkauf des Schüeli ablehnte. Rosemarie Stucki, die sich aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters nicht mehr darum kümmern kann, suchte gemeinsam mit ihrem Bruder Rudolf Maurer weiter nach einer Lösung. Auf Anregung des Kantons entstand die Idee, einen Verein zu gründen, der das Schüeli kaufen und betreiben soll. Schnell fanden sich acht Engagierte, die im Vorstand mitwirken.

Zurzeit sucht die «Vereinigung Schüeli Gontenschwil» Mitglieder, die für einen Jahresbeitrag von 40 Franken mitwirken. Die Gründungsversammlung des Vereins findet in zwei Wochen statt. Aber nicht nur Mitglieder sucht der Verein dringend, sondern auch Sponsoren. Um Rosemarie Stucki das Schüeli abkaufen zu können, müssen 130 000 Franken gesammelt werden. «Wir sind optimistisch», sagt Helen Sommerhalder, Präsidentin der Vereinigung. Da kein fester Verkaufstermin festgelegt wurde, bleibt dem Verein auch genügend Zeit, das Geld zu sammeln.

Schüeli wird kein Parkplatz

Der Betrag über 130 000 Franken setzt sich aus dem ehemaligen Kaufpreis und den ausgewiesenen Handwerkerkosten für den Umbau des Schüeli durch Stucki zusammen. Eigenleistungen und Inventar schenkt die Vorbesitzerin dem Verein.

Dieser kümmert sich in Zukunft um die Vermietung des Schüeli und wird ab und zu auch eigene Anlässe organisieren. «Wir wollen das Schüeli nicht nur am Leben erhalten, sondern lebendig machen», sagt Sommerhalder. Das Schüeli ist bereits heute durch private Feiern gut ausgebucht. Die Einnahmen durch die Vermietung decken die laufenden Kosten.

Eigentlich hätte Rosemarie Stucki das Schüeli auch einem Privaten verkaufen können. Die Gemeinde hob im Mai die Bau- und Nutzungsbeschränkungen, die darauf lasteten, auf. Das Einzimmerschulhaus hätte somit umgebaut oder sogar abgerissen werden können. Doch Stucki wollte verhindern, dass ihr Schüeli so endet. «Ich habe mich nicht die letzten 20 Jahre darum gekümmert, dass es jetzt zu einem Rotlichtbetrieb oder einem Parkplatz wird.» Stucki will das Schüeli als kulturhistorisches Denkmal erhalten. Es ist eines der wenigen Einzimmerschulhäuser im Kanton Aargau. «Nachdem die Gemeinde den Rückkauf abgelehnt hatte, wollte ich wissen, ob das Schüeli ein Kulturobjekt ist oder nur eine ‹alte Hütte›.»

Gemeinsam mit dem ehemaligen Grossrat Walter Forrer liess sie das Schüeli vom Kanton begutachten. «Dort hat man mir gesagt, dass es ein schützenswertes Kulturobjekt ist.» Deshalb hofft der neue Verein auch, dass sich der Kanton an den Kaufkosten beteiligen wird.

Noch heute gerät Walter Forrer in Rage, wenn er an den abschlägigen Entscheid der Gemeinde denkt. «Ich als Heimweh-Gontenschwiler habe nie verstanden, dass die Gemeinde den Rückkauf abgelehnt hat mit der Begründung man habe keine Verwendung dafür. Man stelle sich vor der Kanton hätte das Schloss Hallwyl abgelehnt.»

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