Pfarrerin Maria Doka
Schrittweise in eine neue Zukunft

«Schritt für Schritt» heisst die Bilderausstellung auf dem Rügel, die am 5. Juni eröffnet wird. Und Schritt für Schritt hat Pfarrerin Maria Doka mit dem Malen von Bildern nach ihrem Burnout vor zwei Jahren wieder ins Leben zurückgefunden.

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Aargauer Zeitung

Margrit Rüetschi

Gemalt habe sie schon immer, jetzt habe ihr das Malen neue Kraft gegeben. «Ich schaue mit Zuversicht in die Zukunft und in eine neue berufliche Orientierung», sagt Maria Doka.

Noch bis Ende Juni ist die Pfarrerin offiziell in der Kirchgemeinde Boniswil-Seengen angestellt, am 28. Juni findet in der Waldhütte Hallwil die Verabschiedung statt. «Die Predigt werde ich, als Abschluss meiner langen Zeit in der Kirchgemeinde Seengen-Boniswil, selber gestalten», verrät sie. Dem Text liegen zwei von ihr gemalte Bilder zugrunde. Viele Missverständnisse, Fragen, Verletzungen, Unausgesprochenes, aber auch Hoffnungsvolles, werden darin verwoben sein.

Seele im alten Haus

Das Pfarrhaus in Boniswil ist geräumt, im schönen Statthalterhaus in Tennwil hat die vierköpfige Familie eine neue Bleibe gefunden. «Damit ist für uns ein Traum wahr geworden», schwärmt Maria Doka. Schon immer habe sie sich gewünscht, in einem solchen Bauernhaus zu wohnen.

Bei Besuchen ihrer Schäfchen in der Kirchgemeinde Seengen-Boniswil habe sie das Besondere an alten Häusern immer geliebt. «Sie haben eine Seele und das spürt man», glaubt sie. Dies hätten auch ihre beiden Töchter beim Betreten ihres neuen Daheims festgestellt.

«Richtig zu Hause fühle ich mich eigentlich nirgends», sagt Maria Doka mit leisem Bedauern. Dass sie das Verwurzelte, Geborgene, so fasziniert, hat vielleicht mit ihrer Biografie zu tun. 1955 als Tochter eines kirchenpolitisch aktiven Theologen in der Nähe von Budapest geboren, wandte sie sich nach dem Abitur ebenfalls dem Theologiestudium zu. Gespräche mit ihrem Vater hätten ihr diesen Weg gewiesen, erklärt sie.

Filmwissenschaft in Schweden

«Ich hatte schon immer eine grosse Affinität zu fremden Sprachen und Filmen», gesteht Maria Doka. Etwas in dieser Richtung in Angriff zu nehmen, habe sie sehr gereizt. Mit viel Glück ergab sich für sie die Möglichkeit, mithilfe eines Stipendiums zu Studienzwecken nach Schweden «auszuwandern». Um die finanzielle Unterstützung zu erhalten, habe sie schon vorher mit viel Motivation Schwedisch gelernt, blickt sie zurück.

Während sechs Jahren hielt sich Maria Doka in Schweden, in Uppsala und in Stockholm, auf. In dieser Zeit hat sie das Studium der Filmwissenschaften abgeschlossen. Das ganze Handwerk des Filmens, von den Dreharbeiten bis zum Schneiden, habe sie von der Pike auf gelernt, erfährt man.

Weg vom Film

Dass sie in der Heimat von Ingmar Bergman, ihrem grossen Vorbild, trotzdem nicht eine berühmte Filmregisseurin wurde, hat seine Gründe. «Von 230 Bewerbern für die Filmregie-Ausbildung wurde ich nicht ausgewählt», sagt sie. «Das war ein Zeichen, dass der Beruf einer Filmregisseurin doch nicht mein Weg war.» So konnte sie auf ihr Herz hören und ihrem späteren Mann in die Schweiz nachfolgen.

In Stäfa ordiniert

Nach einem ergänzenden Jahr Theologiestudium in der Schweiz wurde Maria Doka in Stäfa ordiniert. Im Jahre 1991 begann sie ihre Arbeit in der Kirchgemeinde Seengen-Boniswil. «Es war nicht einfach für mich, inmitten der bestehenden Strukturen einen Platz zu finden», blickt sie zurück. «Insgesamt kam meine Arbeit in all den Jahren einem Tanz auf dem Hochseil gleich.»

Aber auch viel Positives kann sie dem Ganzen abgewinnen. «Die Arbeit mit Jugendlichen, mit Senioren, gute Begegnungen mit Kirchgemeindegliedern, bei denen ich vollen Rückhalt spürte, werden in guter Erinnerung bleiben und die belastenden Momente mit der Zeit verblassen lassen», hofft sie.

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