Baum
Schoggibaum mit begehrtem Holz

Der Speierling ist eine der Baumarten, die viel Licht benötigen und er deshalb mit der Umstellung auf Hochwald stark zurückgedrängt wurde. Neben seinem Holz wurde er früher vor allem wegen seiner Früchte geschätzt.

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Speierling

Speierling

bz Basellandschaftliche Zeitung

Daniel Haller

Gefährdeter Nachschub

«Neben der Artenvielfalt ist vor dem Hintergrund der Klimaänderung auch die genetische Prägung der Bäume entscheidend», erklärt Ueli Meier, Leiter des Amts für Wald. So habe eine Lärche aus dem Engadin die dortigen klimatischen Bedingungen genetisch gespeichert und bekäme deswegen im Baselbiet Probleme. Andererseits sei es nötig, dass auch genetisch die Vielfalt gewährleis- tet sei, um stabile Bestände zu haben. Dabei sieht er unter anderem bei den seltenen Baumarten Probleme: Für die Setzlinge, welche der Kanton im Rahmen des Programms Seltene Baumarten (SEBA) an die Forstbetriebe abgibt, gibt es zu wenig Baumschulen in der Schweiz: «Für Pflanzgärten und Forstbaumschulen ist die Nachzucht nicht wirtschaftlich interessant. Unter dem Strich bekommen wir das immer gleiche genetische Material. Uns fehlt also die Rassenbreite.» Die SEBA-Setzlinge liefert bisher die Forstbaumschule der ETH Zürich. «Da gibt es diverse Hinweise, dass sie geschlossen werden soll», erklärt Meier. Die ETH klassifiziere diese Arbeit nicht als hoch wissenschaftlich in der Art, wie sie sich positionieren wolle. Meier sieht zwei Lösungsansätze: «Da stellt sich die Frage, ob sich die Kantone zusammenschliessen müssten, um die Nachzucht besonders wertvoller Baumarten sicher zu stellen.» Andererseits hätten die Waldeigentümer früher in eigenen Baumschulen selbst Pflanzen nachgezogen. Dieses System sei mit der Umstellung von der Aufforstung hin zur Naturverjüngung aufgehoben worden. «Allenfalls müsste man es für einige seltene Baumarten wieder beleben.» (dh)

Wo Wein wächst, ist es auch dem Speierling wohl: Der 10 bis 20 Meter hohe Baum, dessen Fiederblätter man mit der Vogelbeere und dessen Rinde mit dem Birnbaum oder der Eiche verwechseln kann, liefert kleine, birnenförmige Früchte. «Nichts zum Reinbeissen, solange die Frucht noch am Baum hängt», stellt Ernst Spahr, Kreisforstingenieur des Forstkreises Ergolz klar. Aber in Süddeutschland habe man den Speierling als Obstbaum auf den Feldern kultiviert und seinen Most wegen der Gerbsäure dem Apfelwein zugefügt, damit dieser nicht trüb wurde. Die vollreifen Früchte des Baums - eines Verwandten der Vogelbeere - werden auch zu Konfitüre und Mus verarbeitet. Er heisse im Volksmund auch «Schoggibaum», weil die Wildfrucht derart süss ist, dass das daraus gekochte Kompott fast den Zuckergehalt von Schokolade hat, berichtet der Kantonsforstingenieur Ueli Meier. Deswegen gilt die Frucht auch als guter Rohstoff für den Speierlingsbrand.

Spahr hat in seinem Garten in Sissach selbst einen 15-jährigen Speierling und hat aus den Früchten bereits einen Schnaps brennen lassen. «Der ist ein bei Personen mit Bezug zum Wald ein beliebtes Geschenk», berichtet er. Denn der Speierling ist eine seltene und somit besondere Baumart, die im Baselbiet nur in tieferen Lagen zwischen Arlesheim und Sissach vorkommt. «Im Sissacher Wald haben wir drei ausgewachsene Exemplare», berichtet Spahr.

Spezielle Förderung

Das ist immerhin ein Prozent des gesamten Schweizer Bestandes von rund 300 Bäumen. Der Speierling ist deshalb Teil des Bundesprogramms zur Förderung seltener Baumarten (SEBA). In dessen Rahmen hat der Kanton in den letzten Jahren über 400 Setzlinge aus der Baumschule der ETH (siehe Box) an Waldbesitzer abgegeben. «Damit ist hoffentlich die Nachzucht gesichert», betont Spahr. Das Holz des Speierlings ist dunkelbraun, hart und schwer. Es ist noch rarer als die Bäume, da die Förster diese wegen ihrer Seltenheit extrem schonen. «Mit der Nachzucht hoffen wir aber, dass es später auch mal ein paar schöne Bretter gibt», meint Spahr. Das Holz wird unter anderem Im Möbel- und Musikinstrumentenbau sowie als Furnier verwendet.

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