Schafe

Schönheitswettbewerb: Schaf ist eben nicht gleich Schaf

Beim Kloster Wettingen zeigten sich Skuddenschafe von ihrer besten Seite. Mit einer Live-Schur-Show, HütehundeDemonstration und Schönheitswettbewerb setzten sich zehn Schafarten in Szene.

Fabienne Huber

Nur ungern lässt die SkuddenschafDame Piroschka den Friseurbesuch über sich ergehen. Sie zappelt wie wild und versucht zu entkommen, doch all die protestierenden Bewegungen und lauten Mähs nützen nichts, Heinz So-der packt Piroschka fest und zückt den Schurapparat.

Wenige Minuten später bleiben nur zwei Dinge zurück: ein kahl geschorenes, verdutzt wirkendes Schaf und, am Boden verstreut, das Wollkleid.

Für Filze speziell geeignet

«Die Wolle von Skuddenschafen unterscheidet sich stark von der des klassischen Alpenschafs, das wir auf den meisten Schweizer Wiesen antreffen», erklärt Skudden-Züchter Soder. Es habe drei verschiedene Schichten: «Ein langes Deckhaar, dass wie ein Regenmantel funktioniert.

Darunter ist eine Schicht mir dickem, kurzem Haar, der ‹Pullo-ver› der Skuddenschafe. Den dritten Bestandteil bilden feine Wollfasern, die eine isolierende Funktion haben.»

Die Wolle von Skudden eignet sich besonders gut zur Herstellung von Filz, weil sie leicht verfilzt. Auch das Fleisch kann man verwenden. «Es ist gutes Fleisch, sehr schmackhaft», so Soder. «Doch die Ausbeute pro Schaf ist gering.» Dies sei mit ein Grund, warum die ostpreussische Skudde auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierarten steht.

In der Schweiz gibt es 95 registrierte Züchter und rund 1000 Skuddenschafe. Der Schweizer Verband für Skudden-Züchter setzt sich dafür ein, den Bestand zu vergrössern, doch: «Die Zahl der Skudden ist seit Jahren auf etwa dem gleichen Stand», sagt Verbandspräsident Andreas Keller.

Dabei sei es enorm wichtig, die verschiedenen Schafrassen zu erhalten. «Denn jede Rasse hat andere Vorteile und ist an andere Bedürfnisse angepasst.»

Schafe mit imposanten Hörnern

Wie verschieden Schafe sein können, zeigten die Ausstellungsgehege mit 10 Schafrassen: braune, weisse, graue, einfarbige und gefleckte, ungewöhnlich kleine, dann andere fast so gross wie ein Pony. Unterschiede gibts auch beim Kopfschmuck: Die Hörner mancher Rassen sind imposant geschwungen, andere ragen gezwirbelt in die Höhe und wieder andere sind schlicht gebogen. Ein Laie könnte einige der Rassen leicht mit einem Geissbock verwechseln.

Wie es für die Schafe im Alltag ist, das zeigten die zwei Hüte-Hunde Zian und Terry. Auf der Wiese beim Wettinger Kloster trieben sie eine kleine Skudden-Herde gekonnt vor sich her. Je nach Pfeif-Kommando näherten sie sich der Herde von links oder rechts, trieben sie quer über die Wiese, im Slalom oder direkt in das Gehege hinein.

Den Abschluss der Ausstellung bildete der Schönheitswettbewerb der Skuddenschafe. Gewinner in der Königsklasse «Widder älter als 2 Jahre» ist Magic Marius. Stolz nahm Besitzer Heinz Soder die Medaille entgegen.

Doch Magic Marius schien sich nicht wirklich für den Titel zu interessieren. Denn genau wie all die anderen anwesenden Schafe hielt er nur einen Kommentar bereit: «Määähh!»

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