Schönes Label für Pfahlbauer

Schönes Label für Pfahlbauer

Schönes Label für Pfahlbauer

156 prähistorische Siedlungen sollen zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt werden. Allein in der Schweiz sind 82 Stätten in 15 Kantonen zu finden. Das erklärt, dass die Schweiz in diesem internationalen Dossier den Lead hat.

Fränzi Rütti-Saner

Seit 2004 waren Fachleute aus Slowenien, Österreich, Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz daran, ein Dossier mit Managementplan für die «Prähistorischen Pfahlbauten der Alpenregion» zusammenzustellen. Gestern präsentierten ihre Länder-Vertreter unter dem Vorsitz von Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamts für Kultur, das Bewerbungsdossier, welches heute in Paris unterschrieben wird. Danach wird der Antrag, die alpenländischen Pfahlbauten in den Kreis der Unesco-Welterbe-Stätten aufzunehmen, eingereicht.

156 Stätten stehen auf der Liste, die von den Archäologen als schützenswert erachtet werden; allein in der Schweiz sind 82 Stätten in 15 Kantonen zu finden. Das erklärt, dass die Schweiz in diesem internationalen Dossier den Lead hat. Im Alpenraum seien heute rund 1000 Stätten bekannt, die zwischen 5000 und 800 vor Christus errichtet worden seien; erst ein Bruchteil sei erforscht, sagen die Fachleute. In der Schweiz widmen sich 33Museen ganz oder teilweise den Pfahlbauten und ihren Bewohnern; in der ganzen Alpenregion sind es 70Häuser.

Das ist viel, trotzdem sind es schon 80 Jahre her, dass in der Schweiz zum letzten Mal ein Inventar der bekannten Fundorte erstellt worden ist. Das erklärte Christian Harb, Geschäftsführer des Vereins Palafittes: «Jetzt verfügen wir über ein Inventar, welches stets aktualisiert und den neuesten Forschungsergebnissen angepasst werden kann.» Im eingereichten Managementplan steht zudem der Schutz zur Erhaltung an oberster Stelle. Vorgesehen ist auch die Einberufung einer internationalen Koordinationsgruppe «Pfahlbauten Alpenraum», deren Sitz in der Schweiz sein soll. Die Aktivitäten in den sechs Ländern sollen besser koordiniert und vernetzt werden. Die Unterschutz-Stellung sei wichtig, so Harb weiter, weil die Pfahlbauten heute verschiedenen Gefährdungen ausgesetzt seien. Er nannte Grundwasser-Absenkung und die Austrockung der Materialien oder die Bautätigkeit rund um die Seen. «Die Bewerbung soll deshalb die Bevölkerung auch auf die Probleme der Pfahlbauten aufmerksam machen.»

Die Vertreter der Alpenregionen, Botschafter Bojan Grobovsek aus Slowenien, Botschafter Hans Peter Manz aus Österreich, Luc Fuhrmann, Kultur- und Wissenschaftsrat der französischen Botschaft in Bern, Andrea Giagnoli, Kulturreferent des italienischen Kulturinstituts Zürich, und Helmut Schlichtherle, Unterwasserarchäologe im Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, bedankten sich für die massgebliche Arbeit der Schweiz an diesem Dossier. Auch in ihren Ländern soll mit der Welterbe-Kandidatur auf das kulturelle Erbe der Pfahlbausiedlungen verstärkt aufmerksam gemacht werden.

Die Chancen für die Anerkennung stehen gut, sagte Jauslin, und auch seine Mitstreiter waren sich einig darüber, dass bei der Unesco kein Zweifel an der Anerkennung aufkommen sollte. Dies vor allem auch, weil es sich hier nicht um blosse touristische Objekte handle, sondern um zum Teil gar nicht sichtbare, weil unter Wasser stehende Bauten. Nach der Evaluation durch die Unesco-Experten in diesem Sommer sollten die Pfahlbauten im Alpenraum 2011 auf die Liste der Welterbestätten gesetzt werden können.

Meistgesehen

Artboard 1