Schöne Ferien, wünscht der Chef

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Unternehmen locken in der Krise ihre Mitarbeiter mit einem besonderen Angebot: dem unbezahlten Urlaub. Dieser sei aber freiwillig, betonen sie unisono.

Niklaus Mäder

Entlassungen, Lohnkürzungen, Frühpensionierungen, Kurzarbeit: Die Liste der Massnahmen, zu denen Firmen in der Wirtschaftskrise greifen, ist lang. Äusserst beliebt: unbezahlte Ferien. Dieses Mittel setzen unter anderem die Fluggesellschaft Swiss, die angeschlagene UBS und der in rote Zahlen abgerutschte Reiseveranstalter M-Travel ein.
Bei der Swiss gilt das Angebot ausschliesslich für das Bodenpersonal und stosse auf starkes Interesse, so Mediensprecher Jean-Claude Donzel, der selbst unbezahlte Freitage nimmt. Bislang würden die 1200 Personen, die in der Schweiz für die Swiss am Boden arbeiteten, mehrere hundert Wochen beziehen.

Beziehen muss ein Swiss-Mitarbeiter mindestens fünf Tage, nach oben existiert keine Begrenzung. Dabei gibt sich die Swiss spendabel: Vom Lohn abgezogen werden nur 80 Prozent der Freitage. Das heisst: Pro zusätzliche Ferienwoche gibt es einen bezahlten Urlaubstag.

M-Travel: 900 Ferienwochen mehr

Ebenfalls grosszügig ist Reiseveranstalter M-Travel. Wer 5 Tage unbezahlt Ferien nimmt, erhält einen zusätzlichen, bezahlten Freitag, bei 10 Tagen sind es deren 2. Die Aktion scheint erfolgreich: Die 1200 Mitarbeiter von M-Travel würden dieses Jahr rund 900 Wochen unbezahlte Ferien nehmen, so die M-Travel-Kommunikationschefin Prisca Huguenin.

Nicht ganz so spendabel gibt sich die UBS. Die Grossbank bietet sei 1. Juni einen «Ferienkauf» an, bei dem die Angestellten eine oder zwei Wochen unbezahlt freinehmen können. Entgegenkommen des Finanzkonzerns: Die Pensionkassenbeiträge werden unverändert weiterbezahlt. Bislang haben über 300 Personen das Angebot angenommen, wie UBS-Sprecher Andreas Kern sagt.

Auf 1. Mai hat das Finanzinstitut zudem sein bestehendes Modell für längerfristige Auszeiten verbessert: Wer bis zu 12 Monate unbezahlten Urlaub nimmt, ist während dieser Zeit vor einem Stellenabbau geschützt. Auch hier bleiben die Pensionskassenbeiträge unverändert. Über 200 Angestellte nutzen gemäss Kern diese Möglichkeit.
Derweil die Unternehmen in der Krise die Idee von unbezahlten Ferien entdecken, ist die Bundesverwaltung einen Schritt weiter. Hier können die Angestellten seit 1996 fünf oder zehn zusätzlich Freitage einziehen und dafür auf zwei bzw. vier Prozent des Lohns verzichten.

Juristische Zulässigkeit strittig

Alle angefragten Unternehmen betonen, dass die unbezahlten Ferien freiwillig seien. Für Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen, ist klar: «Anders geht es sicher nicht, Arbeitsverträge sind einzuhalten.»

Geiser fragt sich aber, ob unbezahlter Urlaub auf freiwilliger Basis möglich ist. Artikel 341 des Obligationenrechts sieht vor, dass der Arbeitnehmer nicht auf Forderungen aus unabdingbaren Gesetzesvorschriften verzichten kann. Es sei juristisch umstritten, ob zu solchen Forderungen auch die Lohnzahlung zählen würde.

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