Leiterplatten
Schnelles Aus für Zbinden

Die Zbinden Electronics AG in Welschenrohr hat ihre Bilanz deponiert. 36 Personen verlieren die Stelle.

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Zbinden

Zbinden

Solothurner Zeitung

Andreas Toggweiler

Auf ihrer Homepage sucht die Thaler Firma noch immer einen Polymechaniker. Doch das ist Schnee von gestern. Als die Belegschaft am Mittwoch zur Information zusammengerufen wurde, herrschte Konsternation. Knall auf Fall verlieren die noch 36 Angestellten ihren Job und Welschenrohr einen weiteren Industriebetrieb.

Seit 1963 fabrizierte die Firma Leiterplatten für die Verbindung elektronischer Bauteile - zuerst in Derendingen. Sie konnte 1983 Räume und einen Teil der Belegschaft der Uhrenfabrik Technos in Welschenrohr übernehmen. Das brachte Hoffnung in das von der Uhrenkrise gebeutelte Thal. Der Neuanfang mit Geldern des Lex-Bonny-Beschlusses wurde damals unter bundesrätlicher Beteiligung gefeiert. Das ist Schnee von vorvorgestern.

Die Krise der Kunden

Abnehmer der Zbinden-Produkte waren unter anderem die Autoindustrie, die Maschinen- und die Textilindustrie. Doch diese Branchen stecken heute tief in der Krise. «Der Markt ist um die Hälfte eingebrochen», erklärt Verwaltungsratspräsident Christian Hanser aus Oberrieden (ZH). «Und dies just im Moment, als wir einen grossen Betrag für Produktion von mehrlagigen Leiterplatten investiert hatten», sagt Hanser. «Wir haben an das Potenzial der Firma für die hochqualitative Nischenproduktion geglaubt. Umso mehr bedauern wir, dass jetzt dieser Schritt nötig wurde.» Verhandlungen mit mehreren potenziellen Investoren hätten nicht zum Ziel geführt.

Wechselvolle Geschichte

Die Leiterplattenindustrie stecke schon seit einiger Zeit in einer schwierigen Lage und leide unter weltweiten Überkapazitäten, so Hanser weiter. Bereits letztes Jahr wurde die Produktion der Zbinden PCB in die Zbinden Electronics ausgelagert. Die Maschinen, das Land und die Gebäude gehören weiterhin zur Zbinden PCB, der jetzt Nachlassstundung bis 30. Oktober gewährt wurde. Mit ihren Aktiven sollen die Gläubigerinteressen befriedigt werden, sagt Hanser. Später hoffe man, das Areal vermieten zu können.

Ein Sozialplan für die 36 betroffenen Angestellten existiert nicht. Der einzige Lehrling beendet seine Ausbildung diesen Sommer. «Sein Lehrabschluss ist gewährleistet», sagt Christian S. Menet. Dem Manager aus Hägendorf gehörte die Firma bis vor zwei Jahren. Er hatte den Betrieb 1998 von der Besitzerin Studer Kabel übernommen.

«In den besten Zeiten arbeiteten bis zu 75 Personen für uns», schaut Menet zurück. Allerdings habe es schon 2001 Liquiditätsprobleme gegeben, aber auch Erholungsphasen. 2007 hat er ein neues Aktionariat mit Hanser an der Spitze an Bord geholt. Die Investitionen brachten zwar Perspektiven, aber auch eine hohe Verschuldung.

Laut Menet ist man früh aus der Automobilindustrie ausgestiegen und hat auf die Maschinenindustrie als Kunden gesetzt. Dass dieser Markt jetzt auch noch wegbricht, habe man nicht erwartet. «Vielleicht war es ein Fehler, so früh der Autoindustrie den Rücken zu kehren, denn kleinere Aufträge gabs immer.» Auch hoffnungsvolle Neuentwicklungen bleiben jetzt auf der Strecke. So habe man zusammen mit einer Westschweizer Firma eine Strassenbeleuchtung auf LED-Basis entwickelt. «Daraus wird jetzt leider nichts», seufzt Menet. «Ich habe viel Geld und viel Herzblut investiert, auch weil ich an den Standort Thal geglaubt habe.»