Eternit-Affäre

Schmidheiny muss sich in Turin wegen Asbest-Opfern verantworten

Unternehmer Stephan Schmidheiny (Archiv)

Unternehmer Stephan Schmidheiny (Archiv)

Dem Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny und dem belgischen Baron Jean-Louis de Cartier wird wegen asbestbedingter Todes- und Krankheitsfällen in italienischen Eternit-Fabriken der Prozess gemacht.

Verhandlungsbeginn ist nach dem Entscheid eines Gerichtes in Turin der 10. Dezember. Richterin Cristina Palmesino urteilte, dass gegen die beiden Unternehmer genügend belastende Beweise für einen Prozess vorhanden sind. Der Entscheid wurde im Gerichtssaal mit Applaus begrüsst. 140 Einwohner der Gemeinde Casale Monferrato, wo sich eine der Eternit-Fabriken befand, hatten an der Vorverhandlung teilgenommen.

Schmidheiny und de Cartier, die beiden ehemaligen Besitzer von vier Asbest-Fabriken der Eternit S.p.A. Genua, wird vorgeworfen, Sicherheitsmassnahmen am Arbeitsplatz unterlassen zu haben und darum für rund 2000 asbestbedingte Todesfälle und 800 Erkrankungen verantwortlich zu sein. Die heutige Eternit (Schweiz) AG ist davon nicht betroffen.

Den Unternehmern drohen Haftstrafen von bis zu 13 Jahren. Die seit April laufenden Vorverhandlungen stiessen in Italien auf reges Interesse: Hunderte von Mitarbeitern der ehemaligen Eternit-Fabriken aus Italien, aber auch aus der Schweiz, Frankreich und Belgien, sowie Gewerkschafter nahmen in den vergangenen Monaten an den Gerichtsverhandlungen teil.

Als Zivilklägerin trat auch Italiens nationale Arbeitsversicherungsanstalt Inail auf. Sie verlangt 246 Millionen Euro (375 Mio. Franken) als Rückerstattung für die Entschädigungen, die sie erkrankten Eternit-Arbeitnehmern zahlte.

Die Ermittlungen gegen Schmidheiny und De Cartier wurden von dem Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello geführt. Er ist in Italien vor allem wegen seiner grossen Dopingverfahren bekannt.

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