Lenzburg
«Schloss-Freunde» treten für Tretrad ein

Die Generalversammlung der «Freunde der Lenzburg» beschloss die Restaurierung des historischen Warenaufzuges.

Drucken
Teilen
Tretrad

Tretrad

Aargauer Zeitung

Heiner Halder

Noch heute wird der mittelalterliche Warenaufzug von Schloss Lenzburg täglich für Schwertransporte genutzt. Nun soll die aus dem Jahr 1763 stammende Anlage mit Galgen und Tretrad restauriert werden und auch als Demonstrationsobjekt dienen. Die «Freunde der Lenzburg» genehmigten an der 51. Generalversammlung einen Kredit von rund 25 000 Franken.

«Ein Fass ohne Boden» sei das Schloss, scherzte Geschäftsführer Peter Jud, um damit die «Freunde» erneut für eine grosszügige Investition in das Objekt ihrer Fürsorge zu motivieren. Eben erst hatten sie zum 50-Jahr-Jubiläum die aufwändige Restaurierung des Rosengitters finanziert. Dank nunmehr 1410 Mitgliedern (plus 52) ist die Vereinigung indes in der Lage, auf zwei Jahre verteilt ihr Vermögen von 41 000 Franken im Sinne der Statuten abzubauen.

Das von 115 anwesenden «Freunden» einstimmig genehmigte Projekt sieht vor, nach der Bundesfeier im Schloss den handwerklich anspruchsvollen Auftrag an zwei Fachleute zu vergeben und im Frühling nächsten Jahres die dann auch als Demonstrationsobjekt für das museumspädagogische Programm dienende historische Maschinerie in Betrieb zu nehmen.

Lift mit Muskelkraft-Motor

Natürlich wird der Warenaufzug, welcher für Bauarbeiten und Infrastrukturbetrieb von Schloss Lenzburg trotz moderner Liftanlage nach wie vor unentbehrlich ist, heute mit einem Elektromotor betrieben. Früher diente dafür männliche Muskelkraft: Wie die berühmte «Eichhörnchen-Trülle» waren zwei übrigens damals schon gut bezahlte «Windechnächte» im Einsatz. Unermüdlich mussten sie im Tretrad vor Ort treten und konnten so auf absolut umweltfreundliche Weise ohne CO2-Ausstoss sagenhafte zwei Tonnen vom Eingangstor über den hohen Felsen ins Entree hieven.

Für diese 20 Meter Höhendifferenz marschierten sie 230 Meter, rechnete Peter Jud vor. Das Rad mit vier Metern Durchmesser, einer zwei Meter breiten Lauffläche und einer 40 Zentimeter dicken Welle ist heute baufällig und blockiert. Die schon 1534 von den Berner Landvögten erstmals installierte Anlage soll nun von Mühlendoktor Kurt Fasnacht und Kunstschmied Ueli Schneider wieder in Schuss gebracht werden.

Vorstand bestätigt

Bevor sie die kulinarischen Köstlichkeiten aus der «Kronen»-Küche genossen und sich von Michel Gammenthaler verzaubern liessen, bestätigten die «Freunde» den Vorstand mit der dynamisch-charmanten Präsidentin Irene Cueni. Im Jubeljahr waren die 50. GV mit 140 Teilnehmenden sowie das Schlossfest mit rund 300 Gästen und Familiennachmittag die Höhepunkte. Gute Beachtung fanden auch das Auffahrtskonzert mit Jazz im Schloss, Shakespeares «Hamlet» und Jugendfest-Serenade.

Dieses Jahr wird das Auffahrtskonzert am 21. Mai wieder vom Siggenthaler Jugendorchester bestritten, von Shakespeare wird am 9./10. Juni «Romeo und Julia» gegeben, die Schloss-Serenade mit dem Musikverein Lenzburg bringt unter anderem Mendelssohns «Sommernachtstraum», die Familiennachmittage werden am 5. und 12. September die Kinder begeistern, und schliesslich wird am 19. September ein Ausflug ins Schloss Tarasp unternommen.

Apropos «Fass ohne Boden»: Stadtammann und Schlossstiftungs-Präsident Hans Huber wies darauf hin, dass für die Sanierung der Bodenspalten im Rittersaal allein 180 000 Franken investiert wurden und für die Sanierung der bröckelnden Mauern am Schlossberg mindestens 250 000 Franken anfallen. 150 000 Franken sind zudem für die neue Wegführung Bahnhof-Altstadt-Schloss vorgesehen.

Aktuelle Nachrichten