Schlösserverkauf ist falsches Signal

Halbvolles Glas: Denkmalschützer Michael Gerber und seine direkte Vorgesetzte Anita Bernhard. (uz)

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Halbvolles Glas: Denkmalschützer Michael Gerber und seine direkte Vorgesetzte Anita Bernhard. (uz)

Der neue Leiter Michael Gerber will die Denkmalpflege des Kantons Bern kundenorientierter ausrichten. Vorurteile sollen so abgebaut werden. Ein grosses Projekt der nächsten Jahre sei die Revision des Bauinventars.

Bruno Utz

«Ich kam zur Überzeugung, der Job ‹Denkmalpfleger› hat Zukunft», blickte gestern vor den Medien Michael Gerber zurück, als er vor dem Entscheid stand, ob er neuer kantonaler Denkmapfleger werden wolle. Die Denkmalpflege habe den gesetzlichen Auftrag, zu den acht Prozent inventarisierten Gebäuden zu schauen. Und sie sei Vermittlerin von alter und auch zeitgenössischer Baukultur.

Seine Standortbestimmung zu Jahresbeginn sei überwiegend positiv ausgefallen. «Ich habe eine aktive Denkmalpflege übernommen.» Der zuständige Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne) sei sehr offen gegenüber der Kulturförderung und -pflege. Sein engagiertes und motiviertes Team habe letztes Jahr 3200 Bauberatungsgeschäfte erledigt. «Und die Inventarisierung von allen 360 000 Gebäuden im Kanton wurde abgeschlossen.» Zudem habe die Denkmalpflege den ersten Berichterstattungsband herausgegeben. «Darin sind alle Bautätigkeiten und Restaurierungen der Jahre 1979 bis 2005 aufbereitet.» Der zweite Band sei in Arbeit. Die Mitarbeitenden seien auch an der Berner Ausgabe der Grundlagenwerke «Kunstdenkmäler der Schweiz» und «Bauernhäuser der Schweiz» beteiligt. Gerber: «Der Laden läuft.»

Nicht nur eitel Freude

In den Büros der Denkmalpflege herrsche aber längst nicht nur eitel Freude. «Wir begegnen oft Vorurteilen. So heisst es, die Denkmalpflege sei rückständig in Sachen Energie sparen. Das stimmt aber nicht.» Gemeinsam mit dem Kanton Zürich erarbeite die bernische Denkmalpflege derzeit das Handbuch «Energie und Baudenkmal» mit vielen Beispielblättern wie und was zu machen sei. «So etwas existiert bisher nicht.» Unfair sei auch, wie die Arbeit der Denkmalpflege in der Öffentlichkeit gemessen werde. «Tatsächlich erfolgen in 2 von 1000 Fällen Einsprachen von uns. Darüber wird dann geredet, von den 998 anderen aber nicht», so Gerber.

Häufig werde zudem die gesetzlich bei Bund und Kanton verankerte Denkmalpflege mit dem Heimatschutz verwechselt. Letzterer ist ein privater Verein mit Verbandsbeschwerderecht, das haben wir beispielsweise nicht. Auch die Vorhalte, Neinsagerin bei Bauvorhaben und Verschwenderin von Steuergeldern zu sein, wies Gerber zurück. «Wir sind nicht Baubewilligungsbehörde und zwei Drittel unserer ausbezahlten Subventionsgelder stammen aus dem Lotteriefonds.»

Offensiv und transparent

Wo nötig, seien Verbesserungen und Korrekturen aufgegleist. So wolle die Denkmalpflege ihre Rolle und das Kerngeschäft neu positionieren. «Und wir wollen offensiv und transparent informieren.» Eine entsprechende modulare Informationsmappe sei in Arbeit, die Neugestaltung des Internetauftritts ebenfalls. «Wir beabsichtigen, im Internet künftig viel mehr Informationen und Dienstleistungen anzubieten.»

Bauten der 1950er-Jahre fehlen

Ein grosses, die nächsten Jahre dauerndes Projekt sei sie Revision des Bauinventars. Die ersten Inventare seien mindestens 15 Jahre alt und korrekturbedürftig. Er rechne damit, dass vor allem in den ländlichen Gebieten die Bestände der inventarisierten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert zurückgehen würden. «Wir wollen statt zehn gleiche Gebäude lediglich die drei besten im Inventar haben», führte Gerber als Beispiel an. Demgegenüber fehlten die Bauten der 1940-er bis 1960-er-Jahre fast ganz.

Schwierig sei derzeit die Finanzsituation. Einerseits müssten Kanton und Bund sparen, andererseits stünden kostspielige Bundes-Projekte an, an denen sich die bernische Denkmalpflege beteiligen müsse. Auf Nachfrage verwies Gerber auch auf den Verkauf von Schlössern durch den Kanton. «Ich finde dies eine schlechte, weder langfristige noch nachhaltige Entwicklung.» Das aus kurzfristigen finanzpolitischen Überlegungen abgegebene Signal sei falsch. «Werden die Schlösser privatisiert, so werden sie für die Denkmalpflege gleichzeitig zu potenziellen Subventionsprojekten.» Diese Situation könne sich zu einem Problem entwickeln.

Mit ihrer Unterstützung könne Gerber rechnen, sagte Anita Bernhard, die Vorsteherin des Amtes für Kultur. «Der Kanton Bern betreibt eine moderne, zeitgemässe und pragmatische Denkmalpflege. Ich habe einen sehr guten Eindruck», lobte Bernhard.

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