«Schliesslich bin ich hier Zuhause»

Der Schnittersonntag in Koppigen war für Gross und Klein ein Fest. Das Sehen und Gesehen werden hat Tradition, wie die vielen Marktstände.

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Solothurner Zeitung

Mirjam Arnold

«Alle Jahre wieder» gilt nicht nur für Weihnachten: Zur Freude vieler kommt jetzt wieder die Zeit der Dorffeste oder Chilbis. Auch der Schnittersonntag in Koppigen bildet da keine Ausnahme. Obwohl dieser mit Weihnachten nicht sonderlich viel am Hut hat, gibt es doch eine Gemeinsamkeit: Die Vorfreude in der Bevölkerung ist bei beiden jeweils riesig.

«An heute habe ich keine grossen Erwartungen. Nur, dass das Wetter hält und es nicht zu regnen beginnt», sagt Stefan Wölfli aus Etzelkofen. Der Besucher sollte recht behalten: Trotz leichter Bewölkung und gelegentlichen Regentropfen können sich die Schaulustigen beim Märit am Schnittersonntag so richtig gemütlich zwischen den verschiedenen Ständen tummeln. Am Morgen trifft man vor allem Familien und vereinzelt Junge an. Die Strassen sind auf beiden Seiten mit Ständen gesäumt, während in der Strassenmitte wegen der vielen Menschen manchmal beinahe kein Durchkommen mehr ist. Es wird in immer wieder wechselnden Gruppen geplaudert, die Kinder lechzen bei ihren Eltern nach Spielzeug, oder die Familien versuchen sich an den Köstlichkeiten einiger Stände.

Le Caramelier lebt vom Verkauf

Seit bereits 23 Jahren sind Hans-Rudolf Ginsig und seine Frau Marlies am Schnittersonntag dabei. Jedes Jahr sorgen sie für strahlende Gesichter bei Gross und Klein: Le Caramelier, wie «Hansruedi» eigentlich immer genannt wird. Der «Schnittersonntag war schon immer ein spezieller Anlass für mich», sagt er. «Schliesslich bin ich hier zu Hause, kenne viele, die an meinem Stand vorbeilaufen.» Sein Geschäft laufe gut, auch dieses Jahr wieder. Er lebe ja auch davon, da müsse es gut laufen, sagt der Caramelier und grinst. Bereits seit insgesamt 43 Jahren sei er im Geschäft. «Was mir am Besten gefällt, ist, wenn ich meine Nidletäfeli verkaufen und damit andere glücklich machen kann.» Fast gegenüber vom Caramelier aus Höchstetten steht ein kleiner Stand vor dem Flury Beck. Im Angebot sind selbst gemachte Lebkuchen. «Wir sind bisher schon recht zufrieden», sagt die Flury-Mitarbeiterin, die für den heutigen Lebkuchenverkauf verantwortlich ist. «Die Stimmung und die Menschenmenge hat aber noch nicht ihren Höhepunkt erreicht. Die grosse Masse wird später sicher auch noch kommen», ist sie zuversichtlich. Recht hat sie: Mit der Zeit füllen sich nach und nach auch die Strassen, Beizen, Pubs, Bars und Schiessbuden. Die Stimmung aber bleibt weiter familiär. Während der eine Standbesitzer mit seinen Kunden witzelt und seine Produkte doch durchaus raffiniert anzupreisen versteht, können sich andere aufgrund eines kurzfristigen Stromausfalls kaum mehr beherrschen. Die Besucher unterhalten sie so trotzdem auch.

Die Luft ist frisch. Ein leichter Wind weht zwischen den Ständen hindurch und verbreitet eine ganze Palette an himmlischen Düften: Seifen, Nidletäfeli, Chnoblibrot en masse, Fondue, frische Wurst- und Fleischprodukte und Hotdogs umspielt die Nasen der Besucher.

Ein friedliches Zusammensein

Nicht nur die Düfte sind verschieden. Während von den Marktständen oft die ach-so-typische Kirmesmusik auf die Strasse rieselt, ertönen aus den Bars die heissen Gitarrenriffs von AC/DC. Diese Kontraste mögen symbolisch für den ganzen Schnittersonntag stehen: Verschiedenste Besucher aus allen Altersgruppen und Lebenslagen, die einander treffen, diskutieren und einander tolerieren und respektieren; die zusammen lachen und einfach nur die schöne Zeit geniessen. Wie es danach für sie weitergeht sei dahingestellt. Eben, fast wie an Weihnachten.

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