Energie

Schlieren hinkt den Solarzielen hinterher

20 neue Solaranlagen auf Schlierens Dächern – so lautete vor einem Jahr die Zielsetzung für das Projekt «Sonnenstadt Schlieren». Nur sieben sind bislang gebaut – kein Grund zur Sorge, sagt der Stadtingenieur.

Sidonia Küpfer

«Ich bin mir sicher, dass wir 20 Anlagen bekommen werden. Aber mit dem Zeithorizont haben wir uns vertan», erklärt der Schlieremer Stadtingenieur Manuel Peer, Kontaktperson für die Bevölkerung für das Schlieremer Solarförderprogramm. Das Ziel war ambitioniert: Schlieren strebe bis Ende 2009 den Bau von 20 neuen Photovoltaik-Anlagen an, kündigte Stadtrat Jean-Claude Perrin vor einem Jahr an (vgl. LiZ vom 19. 10. 2008). Kurz vor Ablauf dieses Jahres zeigt sich, dass das Ziel deutlich verfehlt wird.

Zahlreiche Fördermittel

Erstellt wurden bis heute gerade einmal sieben neue Anlagen. Und dies, obwohl Schlieren seinen Einwohnerinnen und Einwohnern den Bau einer Photovoltaik-Anlage mit diversen Anreizen schmackhaft zu machen versucht: einerseits mit einer kostenlosen Erstberatung vor Ort, andererseits mit dem Verzicht auf die kommunalen Gebühren für ein allfälliges Baugesuch. Daneben gibt es auch steuerliche Vorteile. Hinzu kommt der Vertrag zwischen Schlieren und den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ). Dank diesem nehmen die EKZ die privaten Stromerzeuger in die EKZ-Solarstrombörse auf und gewähren ihnen eine Vergütung pro Kilowattstunde, welche die Solarstrom-Produzenten in das EKZ-Netz zurückspeisen.

So viel Förderung und so wenig Rückmeldungen? Manuel Peer sieht das Ergebnis differenzierter: «Das Angebot stiess durchaus auf Interesse. Wir haben rund 30 kostenlose Erstberatungen durchgeführt», erläutert er. Der Entscheid für eine Solaranlage brauche aber mehr Zeit, als man bei der Planung gedacht habe. «Die Hausbesitzer müssen Abklärungen treffen, Steuerfragen klären und schliesslich fallen auch andere Erneuerungsarbeiten an, die es zu koordinieren gilt», beschreibt Peer die Situation der Hausbesitzer. Er gehe aber davon aus, dass einige dieser Erstberatungen in den kommenden Jahren noch zu neuen Solaranlagen führen werden. Und damit, so hofft Peer, würde das Ziel von 20 neuen Photovoltaik-Anlagen bis Ende 2011 doch noch erreicht.

Erfolg bei Warmwasseranlagen

Während die neuen Photovoltaik-Anlagen noch auf sich warten lassen, kann Manuel Peer bei den Warmwasseranlagen mit Solarenergie eine erfreuliche Entwicklung vermelden: Zehn neue Anlagen entstanden im vergangenen Jahr. «Der Bau einer Warmwasseranlage gilt heutzutage als ‹Low Tech›», erklärt Peer. Deshalb seien die Kosten vergleichsweise tief, der Wirkungsgrad aber hoch: «Von März bis Oktober können Besitzer einer solchen Anlage ihren Warmwasserbedarf gratis decken», so Peer. Nicht selten bildeten Warmwasseranlagen den ersten (kostengünstigeren) Schritt im Bereich der Nutzung von Solarenergie. Eine Photovoltaik-Anlage könne folgen. Auch Schlieren selbst kläre ab, auf welchen Gebäuden die Sonnenenergie genutzt werden könne. Konkrete Ergebnisse gebe es aber noch nicht.

Der Stadtingenieur zieht trotz noch fehlenden Photovoltaik-Anlagen ein positives Fazit über das Förderprogramm Sonnenenergie: «Für uns stimmt bei diesem Projekt alles ausser dem Faktor Zeit.» Zudem haben für ihn Solarenergieprojekte Vorbildcharakter. So verweist Peer darauf, dass Autofahrer mit einem Katalysator vor 20 Jahren noch belächelt wurden. Ähnlich werde sich auch die Solarenergie durchsetzen, spätestens dann, wenn die Strompreise weiter stiegen und die Kosten für Solartechnik weiter fielen.

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