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Schlangenalarm im Zug: Wie kam die Natter in den Intercity?

Wegen einer Schlange in einem Inter City im Bahnhof Bern wurde ein Wagen evakuiert, die Verbindung nach Basel fiel aus. 450 Passagiere erhielten eine halbe Stunde Verspätung. Die Polizei klärt nun ab, wie die ungiftige Natter in den Zug gekommen ist.

Daniel Fuchs
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Wer heute Morgen den 8-Uhr-Zug von Bern nach Basel nehmen wollte, musste sich in überfüllte Waggons quetschen. Der Grund: Der Inter City, der den Hauptbahnhof Bern eine halbe Stunde zuvor in Richtung Basel hätte verlassen sollen, hatte einen blinden Passagier. «Sie haben nach einer Schlange gesucht, die sich in einem der Waggons verkrochen haben soll», erzählte ein Passagier ganz aufgeregt einer anderen betroffenen Passagierin.

Bei der Schlange handelt es sich um eine ungiftige, heimische Natter.
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Wie das Tier in den Zug gelangte, ist unklar.
Rund 450 Passagiere mussten ihre Reise mit einer halben Stunde Verspätung fortsetzen.

Bei der Schlange handelt es sich um eine ungiftige, heimische Natter.

Kapo Bern

Aufwendige Suche

Tatsächlich: Wie SBB-Pressesprecher Christian Ginsig der «Nordwestschweiz» bestätigt, haben Passagiere kurz vor Abfahrt des Inter Citys, der Bern um 7.34 Uhr in Richtung Olten-Basel hätte verlassen sollen, das Bahnpersonal auf eine Schlange in einem der Waggons hingewiesen. «Um die Hinweise zu überprüfen und aus Sicherheitsgründen wurden die Passagiere des betroffenen Waggons evakuiert», so Ginsig. Berner Kantonspolizisten begaben sich sodann auf die Suche nach dem Tier.

Doch die Suche gestaltete sich aufwendig, weshalb die SBB beschlossen, sämtliche 450 Zugpassagiere auf den nachfolgenden Inter City, eine halbe Stunde später, umzuladen.

Kurz nach acht dann wurden die Kantonspolizisten, darunter ein herbeigezogener Spezialist, fündig. Sie konnten Entwarnung geben: «Es handelte sich um eine ungiftige Natter. Sie versuchte, sich in einem Lüftungsschlitz zu verkriechen», so Ginsig von der SBB. Die Kantonspolizisten gaben das Reptil zu weiteren Abklärungen in die Obhut von Spezialisten.

Das Tier wurde in den Zug gebracht

Noch ist unklar, um welche Untergattung Natter es sich handelt. Wie der Pressesprecher der Kantonspolizei Bern, Christoph Gnägi, zur «Nordwestschweiz» sagt, ist eine eindeutige Identifizierung schwierig: «Das zirka 50 Zentimeter lange Tier steht kurz vor der Häutung, was das Erkennen der typischen Zeichnung schwierig macht.» Gut möglich also, dass es sich gar nicht um eine heimische Natter handelt.

Ob einheimisch oder nicht – das ist für die weiteren Abklärungen zentral. Handelt es sich um eine hierzulande nicht heimische Natter, dann ist das Tier womöglich seinem Besitzer entwischt, als er es im Zug transportieren wollte. Nach Angaben der SBB ist der Transport von Tieren in entsprechend gesicherten Behältnissen nicht verboten.

Handelt es sich dagegen um ein heimisches Reptil, dann dürfte es bald wieder ausgewildert werden. Es bleibt dann die Frage, wie das Tier in den Zug gekommen ist. Von alleine und ohne menschliche Hilfe – für die SBB ist das unwahrscheinlich. Ob es sich also um einen verspäteten Aprilscherz eines Passagiers handelt oder nicht, bleibt Gegenstand von Spekulationen.