Jugendgewalt
Schlägeropfer: «Es war alles voll mit Blut»

Vor zwei Wochen wurde in Suhr ein junger Mann von einem Schläger brutal niedergeschlagen – grundlos. Der 19-Jährige erlitt einen fünffachen Schädelbruch. Nach dem Spitalaufenthalt erholt er sich jetzt zu Hause. Im «Sonntag» erzählt er von der verhängnisvollen Nacht

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Anonymes Prügel-Opfer von Suhr

Anonymes Prügel-Opfer von Suhr

Schweiz am Sonntag

Von Michael Spillmann

Sechs Ärzte mussten den 19-jährigen Stefan (Name geändert) im Kantonsspital Aarau während fünf Stunden operiert. «Sie meinten, dass ich grosses Glück gehabt habe», sagt der junge Mann. «Es geht mir aber nicht um falsches Mitleid», betont er, als er sich bereit erklärt, dem «Sonntag» von der verhängnisvollen Nacht zu erzählen. «Wir wollen einfach nicht, dass das Geschehene vergessen geht», fügt seine Mutter an. Ihr Sohn ist noch immer gezeichnet. Im Spital bekam er starke Schmerzmittel, die Wunde der Operation - von 40 Klammern zusammengehalten - verdeckt er unter einer Mütze.

Zum brutalen Angriff auf Stefan kam es am späten Abend des 22. Mai. Der 19-Jährige sass mit seiner Freundin auf einer Holzbank in der Nähe des Zentrums «Bärenmatte» in Suhr. «Zwei Jugendliche kamen zu uns hin und begannen mit uns zu reden», erinnert sich Stefan. Dann gingen die beiden 15- und 16-jährigen Kosovaren weiter. Nach einer Weile kamen sie allerdings zurück. Sie verlangten nach einer Zigarette. «Einer der beiden hat sich dann mein Skateboard genommen und mich gefragt, ob es in der Suhre wohl gut schwimmen würde», so der 19-Jährige, «worauf ich antwortete, das sei keine gute Idee.»

Dann geschah es: Der 16-Jährige holte plötzlich mit dem Skateboard aus und schlug dem Opfer mit voller Wucht gegen die linke Kopfseite. Stefan brach sofort ohnmächtig zusammen. Die beiden Jugendlichen machen sich sofort aus dem Staub. Als die geschockte Freundin um Hilfe schrie, eilten ihr Anwohner zu Hilfe. Rund 20 Minuten lag der Schwerverletzte bewusstlos auf dem Boden vor der Parkbank.

«Als ich wieder zu mir kam, sah ich meine Freundin und eine Frau, die sich um mich kümmerten. Und ich spürte: Es war alles voll mit Blut», erzählt der 19-Jährige. Schliesslich brachte ihn die Ambulanz ins Spital. Dort nähte man zuerst die blutende Wunde am Kopf. Beim Röntgen stellte sich dann heraus: Der junge Mann hatte einen fünffachen Schädelbruch erlitten. Und noch schlimmer: Zwischen Hirnwand und Schädeldecke hatte sich durch den Schlag Luft angesammelt.

In der Nacht des Angriffs auf Stefan waren seine Eltern in den Ferien. Als sie die Schreckensnachricht erhielten, machten sie sich sofort auf den Heimweg. «Die Ungewissheit war sehr schlimm», so die Mutter. Nun überlegen sich die Eltern, den Kontakt mit Yvonne Hoheisel zu suchen, die seit dem Tod ihres Sohnes Nicky das Präventionsprojekt «Nicky - gegen Jugendgewalt» aufgebaut hat. Auch er war das Opfer von brutaler Gewalt geworden.

Der Täter ist ein Fall für die Jugendanwaltschaft. Wie dort auf Anfrage zu vernehmen war, sind «die bis jetzt notwendigen Massnahmen getroffen worden». Gemäss Hinweisen aus der Suhrer Bevölkerung ging der 16-jährige Schläger bereits vor der Attacke nicht mehr zur Schule und steht seit der Tat unter Hausarrest - was die Jugendanwaltschaft allerdings nicht bestätigen konnte und wollte. Und: Wie angeblich beobachtet wurde, nimmt es der 16-Jährige mit der verhängten Ausgangssperre nicht so genau, sondern hält sich lieber vor seiner alten Schule auf.