Gericht
Schläger muss hinter Gitter

Wegen Raufhandel und Fahren in angetrunkenem Zustand muss ein 26-jähriger Schweizer acht Monate hinter Gitter. Sein Kontrahent kam mit einer bedingten Strafe davon.

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Bezirksgericht Baden

Bezirksgericht Baden

Aargauer Zeitung

Rosmarie Mehlin

Der 26-jährige Schweizer Fabian (Name geändert) und der 20-jährige Brasilianer José waren im November 2007 in einem Badener Partyklub aneinander geraten: Fabian hatte José in dem Lokal aus nicht ersichtlichem Grund die Faust ins Gesicht geknallt, worauf der Schweizer von Sicherheitsleuten des Lokals verwiesen worden war. Draussen dann hatte José, der ihm gefolgt war, Fabian eine Flasche über den Schädel gezogen. Die zwei hatten sich vor Bezirksgericht Baden verantworten müssen. Beide waren beschuldigt des Raufhandels, José hatte zudem noch einige Diebstähle auf dem Kerbholz, Fabian seinerseits war im März 2008 mit über einem Promille Alkohol im Blut am Steuer seines Autos erwischt worden - und das nicht zum ersten Mal.

Keine neuen Erkenntnisse

Da die Aussagen der beiden Streithähne darüber, was sich in und vor dem Klub abgespielt gehabt hatte, vor Gericht ziemlich diametral auseinander gingen, hatte Gerichtspräsident Peter Rüegg das Urteil ausgesetzt, um in einer zweiten Verhandlung die Sicherheitsleute, die damals im Klub Dienst getan hatten, zu befragen. Dies umso mehr, als - so Rüegg - die Untersuchungsbehörde ungenügende Arbeit geleistet hatte.

Die Befragung der drei Zeugen - stämmige, Respekt einflössende Burschen im Alter zwischen 21 und 28 Jahren, die nebenberuflich im Sicherheitsdienst tätig sind - brachte allerdings wenig Neues. Vor allem hatte keiner von ihnen gesehen, was sich im Lokal drin abgespielt hatte. Und dass José draussen Fabian eines mit einer leeren Flasche übergezogen hatte, war seitens des Brasilianers unbestritten. Klar war auch, dass die Flasche nicht auf Fabians Kopf, sondern erst danach auf dem Boden zerbrochen war.

Neu bei der zweiten Verhandlung war jedoch, das Fabians Anwalt das Desinteresse seines Mandanten an Josés Strafverfolgung erklärte: Die beiden Kontrahenten hätten sich inzwischen versöhnt. Josés Verteidigerin ihrerseits zog den Antrag auf Schadenersatz und 1500 Franken Genugtuung für ihren Mandanten zurück.

Strafe trotz Desinteresse

Nichtsdestotrotz: José wurde wegen Raufhandels und einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zu 13 Monaten Freiheitsstrafe bedingt (Ankläger beantragte 15 Monate) verurteilt. Fabian, für den 9 Monate Freiheitsstrafe unbedingt beantragt waren, muss wegen Raufhandel und Fahren in angetrunkenem Zustand für 8 Monate unbedingt in den Strafvollzug, inklusive Widerruf einer bedingten Strafe wegen Fiaz vom Mai 2007.