Martin Rupf

Was sich in jener Nacht vom 30. Juni 2009 in München abspielte, ist schlicht grauenvoll. Es geschah auf der Abschlussreise einer Klasse der Weiterbildungs- und Berufsschule Küsnacht. Drei damals 16-jährige Schüler verletzen innerhalb von wenigen Minuten fünf Menschen teilweise lebensgefährlich. Besonders hart trifft es einen körperlich behinderten Mann und einen 46-jährigen Versicherungskaufmann.

Den Ersten treten die Jugendlichen mit voller Wucht gegen den Kopf. Den am Boden liegenden Versicherungskaufmann traktieren sie so lange, bis sein Gesicht «komplett nach rechts verschoben war», wie die verantwortlichen Ärzte erklärten.

Gerichtsprozess dauert einen Monat

Noch in derselben Nacht verhaftet die Polizei die drei Schüler, die seither in Deutschland in Haft sitzen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird den drei Jugendlichen ab Montag vor dem Landesgericht I München der Prozess gemacht. Bis zum 7. April müssen sie sich wegen versuchten Mords und schwerer Körperverletzung verantworten.

In Anbetracht der Schwere der Tat kann mit einem harten Urteil gerechnet werden. Den Angeklagten droht für ihr Verbrechen eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. So wurden für vergleichbare Taten schon Strafen von mehr als acht Jahren verhängt. Stünden die Jugendlichen in der Schweiz vor Gericht, hätten sie höchstens vier Jahre zu befürchten.

Jositsch: «Strafe müsste kleiner sein»

Sollte das deutsche Gericht tatsächlich ein hartes Urteil fällen, ist davon auszugehen, dass die Verurteilten ihre Strafe in einer deutschen Jugendvollzugsanstalt absitzen müssen. Zwar könnten die heute 17-Jährigen ein Gesuch um Vollstreckung in der Schweiz stellen. Die Krux: Bei einem Vollzug in der Schweiz dürfte die Strafe das im Gesetz maximal vorgesehene Strafmass von vier Jahren nicht überschreiten, wie Folco Galli vom Bundesamt für Justiz erklärt. Es ist davon auszugehen, dass die deutschen Behörden einen Vollzug in der Schweiz ablehnten, weil sie dann einer Reduzierung der Strafe zustimmen müssten. Wichtig: «Gegen einen ablehnenden Entscheid gibt es keine Beschwerdemöglichkeit», so Galli.

Für Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch wäre eine Strafe von deutlich über vier Jahren unverhältnismässig: «Bei vollendetem Mord drohen in Deutschland ebenfalls bis zu zehn Jahre Haft. Im Fall von versuchtem Mord müsste es deutlich weniger sein.»