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SBB sehen keine Alternative zu Strommasten

Die Arlesheimer konnten bei Vertretern der SBB Dampf ablassen wegen der neuen Stromleitung entlang der Bahnlinie. Dass die Leitung wieder abgebaut wird, ist aber nicht wahrscheinlich.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Leif Simonsen

«Ich bin bewusst nicht auf diesen Ausschuss eingegangen», sagte Urs-Martin Koch nach der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend im Domschulhaus Arlesheim. Der SBB-Leiter «Linien und Knoten» wusste, dass das Bauprojekt für eine Kehrtwende schon zu weit fortgeschritten ist.

Er war denn auch nicht gekommen, um zu verhandeln. «Unser Handlungsspielraum lässt nicht zu, dass wir auf diese Forderungen eingehen», fuhr er fort. Statt Verhandlungen müssen sich die Bewohner der Gemeinde Arlesheim wohl mit einer Entschuldigung zufrieden geben: «Für die Informationspolitik, die offenbar suboptimal verlief», wie Koch zugab.

Gemeint war damit die Tatsache, dass die Anwohner des betreffenden Gebietes ohne zureichende Vorwarnung vor vollendete Tatsachen gestellt wurden: «Als die Bauarbeiten begannen, wurde ich um halb eins in der Nacht geweckt, um mein Auto umzuparkieren», erinnert sich eine Bewohnerin der Austrasse, die parallel zur Bahnstrecke verläuft. Auch seitens der Gemeinde sei minimalistischer Aufwand betrieben worden, um die Dorfbevölkerung über den Bau der bis zu 29 Meter hohen Hochspannungsleitungen zu informieren. Bis auf die amtlichen Publikationen habe es laut den Anwesenden keine Bemühungen gegeben, die Bevölkerung ins Bild zu setzen.

Für den Bau der unschönen Übertragungsleitungen und gegen eine unterirdische Verkabelung machte die SBB gleich mehrere Argumente geltend. Am stärksten wurde dabei die Stabilität des Stromnetzes hervorgehoben, die bei einer Verkabelung nicht gewährleistet ist: «Tests im Gotthard- und Simplontunnel haben genauso wie die Pannenserie in der Vergangenheit gezeigt, dass eine unterirdische Verlegung zu grossräumigen Stromausfällen führen kann», beteuerte Christine Haag, Anlagenmanagerin der Übertragungsleitungen.

Schäden zu beheben könne überdies mehrere Monate dauern. Für die aussergewöhnliche Höhe der Masten und Leitungen, die der Dorfbevölkerung ebenfalls ein Dorn im Auge ist, gibt es eine andere Erklärung: «Der Grenzwert für elektromagnetische Strahlen ist in der Schweiz höher als anderswo in Europa», so Haag. Deshalb müssten die Leitungen so hoch hängen, um ausserhalb der Gefahrenzone zu sein. Das dritte und wohl entscheidende Argument seitens der Bahn: Die Kosten. Ein unabhängiger Sachverständiger, der Ingenieur Florian Günther, meint dazu: «Für eine unterirdische Verkabelung müsste die SBB in diesem Streckenabschnitt etwa das Fünffache investieren», fügt aber an: «Technisch ist eine unterirdische Verkabelung absolut möglich. Schliesslich werden ja ganze Städte unterirdisch mit Strom versorgt.»

Auch das Arlesheimer Publikum, das seinen ehrwürdigen Dorfkern verschandelt sieht, gab sich mit der Erklärung der Bähnler nicht zufrieden. «Die Entwertung dieses kulturellen Zentrums ist ungleich höher als der Preis für eine Verkabelung», war sich ein Anwesender sicher. Andere meinten gar, die Verantwortlichen hätten dieses Grossprojekt aus Angst vor den Reaktionen bewusst vertuscht.

Nach einem zweistündigen Sturm der Entrüstung wurden dann die SBB-Vertreter erlöst; durch einen Scheinkompromiss notabene: Der Gemeinderat, die SBB und zwei Mitglieder der Bürgerversammlung wollen nun zusammensitzen, um über eine Lösung des Problems zu beraten. Eine Lösung, welche die SBB allerdings schon kennen.

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